Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 269
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0323
nur der ist zum Kriegskünstler unserer Zeit
berufen.

Ferdinand Staeger ist ein solcher Kriegskünstler
. Ja, er wird immer zu den besten
Zeichnern und Malern des großen Krieges im
Osten gezählt werden müssen.

Das ist an sich schon vielen eine künstlerische
Ueberraschung. Denn die meisten
kannten Staeger bisher nur als den sinnigen,
feinen Illustrator romantisch verträumter Märchen
, als einen höchst eigensinnigen und eigenartig
formenden Schöpfer von Bildern, die
alle weit weg von brutalen Tagesereignissen
führten, in eine friedliche Welt von Wiesen
und Wäldern. Freilich die, die in Staegers
Griffelkunst sich ernstlich vertieft, die sahen
schon längst, daß dieser Einzelgänger im Kunstreich
alles gründlich studiert hat, daß er alles
zu zeichnen vermag, daß seine Erfassungsgabe
von erstaunlicher Raschheit, sein Gestaltungsvermögen
klar und unbegrenzt.

Der Krieg fand also gerade ihn, der sich keiner
Richtung als der eigenen verschrieben, besser
vorbereitet als so manchen anderen, von dem wir
alle sofort viel als Kriegszeichner erwartet hatten.

Es war ein Glück für Staeger und für Gegenwart
und Nachwelt, daß er durch Generalmajor
Höhn, den Kommandanten des K. und
K. Kriegspressequartiers, in dieses beordert
wurde und gleichzeitig in dem Korpskommandanten
, Feldmarschalleutnant Peter Hofmann,
den denkbar besten Förderer seiner künstlerischen
Absichten gefunden hat.

So wurde Staeger seit Juli 1915 der künstlerisch
gestaltende Historiker eines wichtigen
Teiles des ruhmreichen österreichisch-ungarischen
Heeres unter Erzherzog Friedrich.

Schon liegt eine große Reihe von schwarzen
und farbigen Temperazeichnungen Staegers
vor uns, die zusammen eine Kriegsgeschichte
des Korps Hofmann bilden, voll von gegenständlicher
Gewissenhaftigkeit und künstlerischem
Reiz.

Fortlaufend schildern die Bilder die Korpsgeschichte
vom verschanzten Lager auf den
Höhen des rechten Ufers der Zlota-Lipa, die
folgenden Stellungskämpfe, unsere Offensive
über die Zlota-Lipa, die Verfolgung der fliehenden
Russen bis an die Strypa, das Scheitern
der russischen Durchbruchsversuche (denen der
Zar beiwohnte), den Ausbau der Stellungen
des Korps während der Schwierigkeiten des
ostgalizischen Frühwinters.

Diese kriegsgeschichtlich und kriegstechnisch
so interessante Zeitspanne des Feldzuges in
Galizien wird nun von unserm Künstler in
einer Weise geschildert, die trotz aller Zuverlässigkeit
des Wiedergegebenen, der Photographie
versagt bleibt. Denn das ist eben
der Fehler so mancher Kriegszeichner, daß
sie glauben, dort künstlerisch frei und undeutlich
sein zu dürfen, wo das Gegenständliche
gleichmäßig kriegsgeschichtlich wichtig und
künstlerisch von entscheidender Stimmungskraft
bleibt. Andrerseits mühten sich andere
vergeblich, die Dinge mit jener Genauigkeit

FERDINAND STAEGER
Die Kunst für Alle XXXI.

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STRYPALANDSCHAFT

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