Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 277
(PDF, 130 MB)
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ein weniger kräftiger und reiner
geworden. Von dem viel stärkeren
Ulrich Hübner sind drei virtuose
Gemälde da, aber nur der „Hamburger
Hafen" (Abb. S. 274) interessiert
durch die Wiedergabe der
Luft und des flutenden Lichtes.
Das Bild hält den Moment fest, in
dem die Sonne hinter Wolken breite
Strahlengarben hervorbrechen
läßt. Orlik und Weiss sind apart
und routiniert wie immer. Orlik
blendet mit dem wirkungsvoll hergerichteten
Frauenbildnis (Abb.
S. 283), überzeugt aber stärker
durch eine gutgesehene Schneelandschaft
. Weiss stellt sorgsam
und feinfühlig durchgemalte
Bildnisse aus. Robert Breyer, über
dessen Stilleben man oft hinwegsah
, erzwingt sich diesmal mit dem
noblen Arrangement von silbernen
Leuchtern und schimmerndem Geschirr
die Aufmerksamkeit und
nötigt durch die Malerei dem Betrachter
Respekt ab. Von Ernst
Matthes fallen amüsante Kolber-
ger Ansichten auf, von dem Hamburger
Friedrich Ahlers-He-
stermann ein charaktervolles
Knabenbildnis. Zum ersten Male
beachtet man Konrad Wester-
mayr, dessen Gebirgslandschaft
eine originelle Lösung des Raumproblems
gibt und zugleich eine malerische
Flächenwirkung wahrt. Otto Beyer gelangt in
dem „Abend in Vieville" zu ganz ähnlichen
Resultaten wie Heckendorf in seinen Kriegsbildern
. Walter Klemm packt die verschiedenartigsten
Motive an und findet für alle eine
gute und eigenartige Formulierung, mag er nun
das Gedränge nackter Körper bei einer Musterung
, eine dunstige Flußlandschaft oder eine
Straße malen. Ein dekorativ stilisiertes Bildnis
eines jungen Mädchens von Bernhard
Pankok hält auch bei näherer Prüfung stand
und erweist sich als feine malerische Leistung
(Abb. S. 280).

Von Slevogt, Liebermann, Trübner und
Thoma hat man während des Krieges in Berliner
Kunstsalons eine Reihe von Ausstellungen
gesehen und die frische Erinnerung
an das Gesamtwerk dieser Künstler beeinflußt
die Bewertung der hier gezeigten Stücke.
Man findet, daß Trübner bei Cassirer stärker
wirkte als hier, wo zehn untereinander
ungleichwertige Bilder ausgestellt sind. Die
„Parkmauer im Stift Neuburg" und der

HANS PURRMANN

DAMENBILDNIS

Mit Erlaubnis von P. Cassirer, Berlin

„Schloßhof in Baden-Baden" (Abb. S. 279)
sind allerdings Werke ersten Ranges. Für
Slevogt ist es günstig, daß man seine großen
und guten Ausstellungen bei Gurlitt und
Cassirer noch in frischer Erinnerung hat;
man übt infolgedessen hier gern Nachsicht
und geht an dem ganz formlosen Stilleben
und dem unruhigen Jägerbild ebenso rasch
wie respektvoll vorüber. Die Thoma-Aus-
stellungen bei Gurlitt hatten gezeigt, wie sehr
die Werke der frühen und mittleren Zeit den
späten überlegen sind. Und da sieht man nun
hier eine wundervolle Sommerlandschaft, die
erst vor Jahresfrist entstanden ist! Gewiß:
rein malerische Eigenschaften sind in früheren
Schöpfungen besser enthalten. Aber angesichts
dieses ausdrucksvollen Kunstwerkes,
in dem die andächtige Freude an übersonnten
Bäumen und Feldern mit so starkem Gefühl
gestaltet worden ist, vergißt man alle Theorien
über Qualitätsmalerei und gibt sich
hemmungslos dieser lauteren Schöpfung hin.
Von Liebermann sind außer einem flauen
neueren Selbstbildnis mehrere schöne ältere

Die Kunst für Alle XXXI.

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