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TH. TH. HEINE
BLUMENSTILLEBEN
THOMAS THEODOR HEINES GEMÄLDE
Von Georg Jacob Wolf
Thomas Theodor Heines epochale Bedeutung
liegt nicht auf dem Gebiete der Malerei
und des Malerischen. Sie ist außerhalb aller
Grenzen der bildenden Künste zu suchen.
Heines starker und unbestrittener Einfluß auf
die öffentliche Meinung unserer Zeit beruht ganz
im allgemeinen auf seiner satirischen Kraft,
die bald spottend, bald strafend daherfährt und
— in Friedenszeiten — mit einem Spottbild
oft schon mehr auszurichten vermochte als die
schönste Reichstagsdebatte. Die Form, die
Heine für seine Satire wählt, ist dabei zunächst
nebensächlich. Wie man von Raffael sagte,
daß er, auch ohne Hände geboren, der größte
Maler geworden wäre, so kann man von
Heine sagen, daß er auch dann der treffendste
und schärfste Satiriker unserer Zeit sein müßte,
wenn er sich nicht des Stifts und des Pinsels,
sondern etwa der Feder oder des gesprochenen
Wortes bediente, um seiner Auffassung von
irgendeinem Vorgang des öffentlichen Lebens
Ausdruck zu geben. Natürlich ist es ein besonders
glücklicher Zufall — wenn man will,
kann man auch sagen: eine verschleierte Notwendigkeit
—, daß Heines Satire durch das
Medium der bildenden Kunst in Erscheinung
tritt. Denn eine Zeichnung Heines ist allemal
eine so knappe, präzise Formel, daß die Wirkung
der Satire eine augenblickliche, durchaus
eindeutige und durch Weiterleben des starken
optischen Eindrucks eine dauernde ist. Damit
dies erreicht werden kann, muß sich in der Vorstellung
des Künstlers der Vorgang, Zustand
oder die Stimmung, die seine Satire treffen
will, zu einem Symbol verdichtet haben. Die
symbolische Kraft in Th. Th. Heines gezeichneten
Satiren erhebt sie über den herkömmlichen
Begriff der Karikatur. Um Karikaturen
im engeren Sinne zu sein, fehlt Heines Zeichnungen
das Burleske, das Spaßhafte, das Nur-
Witzige. Seine satirischen Zeichnungen, die
durch den von ihm zusammen mit Albert Langen
begründeten „Simplicissimus" Gemeingut der
ganzen Welt geworden sind, stehen isoliert;
ich kenne nichts, woran sie sich anschließen,
sie sind traditionslos; in ihrer herben, oft unliebenswürdigen
Eigenart müssen sie mit Notwendigkeit
auch ohne Imitatoren bleiben —
wenigstens ohne Imitatoren der äußeren Erscheinung
. Daß das Beispiel von Heines satirischer
Kunst dem ganzen Kreis um ihn, den
Leuten vom „Simplicissimus", die reichsten
Die Kunst für Alle XXXI. 15/16. 1. Mai 1916
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