http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0345
TH. TH. HEINE
DAMENBILDNIS
betrachtet, die voll des schärfsten Giftes ist,
und nun vor das ruhevolle Bildchen hintritt,
das den sachlichen Titel trägt: „Kinder im
Walde" (Abb. geg. S. 292) — da schaut man nun
in der durchsonnten, grünen Pracht, die bis
in die Einzelheiten liebevoll abgemalt ist, die
zwei feiertäglich weißgeputzten niedlichen Mädelchen
mit den großen Biedermeierhauben,
gefolgt von dem lustigen Foxl als treuen
Begleiter: ein Bild, das man auf der Berliner
Jahrhundert-Ausstellung a!s die Arbeit
irgendeines aus dem Hamburger Runge- oder
Speckter-Kreis hätte ausgeben können — und
traut dem Künstler nicht! Man will an eine
solche Elastizität der Stimmung und Empfindung
nicht glauben, man meint irgendwo die
Ironie zu verspüren und man kommt sich
seiner Unsicherheit wegen selbst ironisiert vor.
Aber es ist gar nicht notwendig, dieses Bild
und andere seiner Art, z. B. das schmollende,
junge Ehepaar - - das Bildchen heißt „Wolken,
die vorüberziehen" —, das Schloßfräulein, das
mit den drei Möpsen im Gänsemarsch vor
einer elegischen Landschaft lustwandelt (Abb.
S. 294), das Dämchen, das im Waldteich
sein schlankes Körperchen im Bade schmiegt
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