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(Abb. S. 291) oder das niedliche Mädchen, das
sein Hündchen an sich drückt (Abb. S. 288), in
dieser Weise anzusehen. Man nehme sie wie
sie sind: als gute, reizvolle Malereien von
Besonderheit und Eigenart. Man vergesse vor
ihnen auf ein Weilchen den berühmten Satiriker,
man schätze sie unbefangen, voraussetzungslos
nach ihrem Eigenwert. Und es wird sich
herausstellen, daß Meier-Gräfe unrecht hat:
Th. Th. Heine hätte auch auf Grund seiner
Malerqualitäten ein berühmter Künstler werden
können. Nur wäre es ihm da nicht so rasch
dem berühmten Zeichner Heine sei, gewann
es für sie Interesse und sie kamen seinen
Qualitäten auf den Grund. Freilich hat Heine
auch Bilder gemalt, die ihres Gegenstandes
wegen viel betrachtet wurden und wo er auch
im Format ins Große und in der Technik
manchmal ins Plakatmäßige (das im guten
Sinne) ging. Der „Dichterling", ein dekadenter
Jüngling, den das Musenroß abgeschleudert
hat und der sich von höchst „modernen
" Genien verlacht sieht, gehört in diese
Gruppe (Abb. S.292) und „Frühlingserwachen",
TH. TH. HEINE
DACHAU
gelungen, wie als satirischer Zeichner, denn
in ihrer stillen, ich wage es zu sagen: verträumten
Anmut, in ihrer zärtlichen, spitz-
pinseligen Technik fallen die Bilder Heines
auf einer Ausstellung nicht auf. Ich erlebte
es, daß bei der letzten Münchner Internationalen
Ausstellung, wo Heine bei der „Secession"
eine kleine Landschaft zeigte mit Brücke und
einer Bekanntmachungstafel (jenen gleich, aus
denen er einst in den „Fliegenden Blättern"
eine ganze „Deutsche Landschaft" aufbaute),
fast alle Besucher an der kleinen Leinwand
achtlos vorbeigingen (Abb. S. 293). Erst wenn
man ihnen sagte, daß dieses Bildchen von
eine sehr freie Variante des Europa-Stier-
Motivs: hier führen nämlich kokette Dämchen
in modischen Kleidern das göttliche Rindvieh
an Blumenketten tänzelnd über blumenbesäte
Auen (Abb. geg. S. 285), der „Drachentöter",
die „Vestalin" und jenes monumentale Bild
„1813", das mir in seiner Wucht und Geschlossenheit
die beste malerische Symbolisierung
der Volkserhebung zu den deutschen
Befreiungskriegen erscheint (Abb. S. 287) und
dem ich vor dem Jenenser Universitätsbild
Hodlers den Vorzug gebe, weil es strenger,
knapper und einleuchtender ist in der Komposition
. Aber diese Gemälde geben vielleicht
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