http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0370
allerlei nett und gefällig abgemalten Motiven
aus der Umgebung von Berlin, aber nur die
märkischen Landschaften eines jungen Künstlers
, von denen man seit Jahren auf den
Sezessionsausstellungen Proben fand, schließen
sich in der Erinnerung zu einem Gesamtbild
zusammen, das individuelle Form und Charakter
besitzt. Es sind die Werke Theo von
Brockhusens.
Brockhusen schildert an hellen Sommertagen
die weiten Havelseen, deren blaue
Flächen zwischen grünende Wälder gebettet
sind. Das strahlende Blau der sanft gekräuselten
Wellen und die lockeren, sonnendurchglühten
Wolken vereinigen sich mit den leuchtenden
Farben des Vordergrundes zu einem
Bild voll lichter Heiterkeit. Er malt an Frühlingstagen
von den Höhenzügen bei Werder
das weite Land, dessen Abhänge mit blühenden
Obstbäumen dicht bestanden sind. Der zarte
Blütenschaum fließt in der Ferne mit dem
durchsichtigen, glitzernden Blaugrün der Seefläche
zusammen. Man findet auf seinen Bildern
die Biergärten am Ufer der Havel wieder,
wo durch das dichte Laub der hohen Bäume
die Sonnenstrahlen vereinzelt auf die Bänke und
Tische fallen, die im kühlen bläulichen Schatten
dastehen; das eiserne Gerippe der Brücke,
die bei Baumgartenbrück mit kühnem Satz
sich über einen breiten Havelarm hinüberschwingt
, kehrt gleichfalls in seinen Bildern
wieder. Vorfrühlingstage, an denen die kahlen
Aeste der Bäume scharf und klar in der dünnen
Luft stehen, der goldene Glanz eines heißen
Sommertags, tiefblaues Wasser, vibrierende
Luft, flutendes Licht und buntstrahlende Heiterkeit
blühender Pflanzen — aus diesen Motiven
bestehen die Landschaftsschilderungen Brockhusens
.
Die gefälligen und freundlichen Motive, die
Brockhusen festhält, sprechen für sich schon
so stark, daß schließlich auch ein schwach-
begabter Maler mit ihnen eine angenehme
Augenblickswirkung erzielen könnte. Daß der
gute Eindruck der Werke Theo von Brockhusens
nicht an diese besondere Landschaft
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