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TH. HAGEN
Im Besitz der Kunsthalle, Hamburg
sommertag
THEODOR HAGEN
Von Edwin Redslob
Als Großherzog Karl Alexander im Jahre
XV 1860 in Weimar eine Kunstschule begründete
, tat er es nicht, weil er die landschaftlichen
Reize seines Landes für ein geeignetes
Feld künstlerischer Darstellung hielt. Ihm war
die neue Akademie eine Art Treibhaus, in
dem die Maler die Anregungen, die sie sich
auf ihren Sommerreisen in fernen Ländern
geholt, sorgsam aufziehen sollten, um ihre
Studien zu inhaltlich bedeutungsvollen Kompositionen
zu verwerten. Prellers Odysseelandschaften
, die der Fürst zum Mittelpunkt
des von ihm erbauten Museums erhob, sind
die klassischen Zeugen der Kunstrichtung, die
der Enkel Karl Augusts entsprechend den
literarischen Traditionen seiner Residenz zu
fördern gedachte.
Schüler Prellers, wie Karl Hummel und
Kanoldt, folgten diesen Anforderungen; auch
die Alpenlandschaften des ersten Direktors
der neuen Lehrstätte, des Grafen Stanislaus
von Kalckreuth, trugen der Freude der Zeit
am gegenständlich ansprechenden Vorwurf
durchaus Rechnung, und selbst in den holsteinischen
Bildern des Blechen-Schülers Max
Schmidt, dem die Landschaftsklasse anvertraut
war, blieb die inhaltlich ansprechende
Note betont.
Daß nebenher, der Tradition der Weimarer
Radierer Kraus und Holdermann entsprechend,
in Preller wie in Hummel das Bestreben lebendig
blieb, die heimische Landschaft zu
pflegen, und daß die Jüngeren gerade diesem
Beispiel zu folgen begannen, schien für den Lehrplan
der Kunstschule, deren Gründung Preller
übrigens ferne stand, ohne jede Bedeutung.
Die Kunst fl)r~Alle XXXI. 17/18. 1. Juni 1916
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