Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 334
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0396
Liebermann und Kalckreuth verstand, hat den
Maler auch für die Hamburger Kunsthalle gewollt
und ihn mit seiner Staffelei vor den
vielleicht schönsten Hafen der Welt gestellt.
Hier hat Hagen den Hauptwert nicht auf die
Schiffe gelegt und auf die Staffage des Hafens.
Entsprechend seiner Vorliebe für die Darstellung
der Erdoberfläche in ihrer räumlichen
Wirkung und heimlichen Farbenfülle hat er
es verstanden, den Wasserspiegel selbst zum
wichtigsten Motiv zu machen. Er zeigt auch
dabei, wer neben den Anregungen, die er
von Gleichalterigen und Jüngeren gerne annahm
, sein eigentlicher Lehrmeister ist: die
Thüringer Hügellandschaft mit ihrem mannigfach
bewegten Gelände.

So steht sein Bild abgerundet vor unseren
Augen: aus der Tradition Düsseldorfs, zu der
sich durch Weimar und die Beziehungen
der Familie seiner Gattin auch die Tradition
Goethes und Schillers gesellt, aus dieser Tradition
ringt er sich durch zu dem freien Schüler
der Natur, der in seiner bescheidenen,
zarten Art, ohne viel Aufhebens darum zu
machen, gleichen Schritt mit Meistern wie
Uhde, Liebermann und Kalckreuth zu halten
vermochte. Für 45 Jahre bedeutet er nun
schon den wichtigsten Vertreter der Weimarer
Kunstschule, an die ihn das Vertrauen ihres
Begründers im Jahre 1871 berief.

HUGO LEDERERS MERKURBRUNNEN
IN FRANKFURT A. M.

Es gibt Städte, die nicht nur Brunnen besitzen
, sondern eine eigene Brunnenkunst.
Bern etwa hat eine solche künstlerische Tradition
in seinen Brunnen, und die Physiognomie
der Stadt wird zu einem nicht geringen
Teile durch diese bestimmt. Auch Frankfurt
hat alte Brunnenkultur, und es würde sich lohnen
, einmal die Frankfurter Brunnen im Zusammenhang
darzustellen. Die Kenntnis der
großen Kunst würde dadurch freilich nicht
bereichert, aber ein sehr anziehendes Stück
Volkskunst zutage kommen. Es sind malerische
und halbversteckte Plätzchen, auf denen
diese Brunnen stehen, der Dreikönigsbrunnen,
der Adam - und - Eva-Brunnen, der Römische
Kaiserbrunnen und wie sie alle heißen, aus
dem Volksgeiste heraus von biederen Steinmetzmeistern
gebildet und vom Volkshumor
belebt. Der höheren Kunst gehört eigentlich
nur der Justitia-Brunnen auf dem Römerberg
an. Die neuere Zeit, die Zeit, in der die allgemeine
Wasserleitung die Brunnen zu Dekorationsstücken
gemacht hat, fügte noch einen

sehr populär gewordenen Brunnen hinzu, den
sogenannten Lachhannes (einen popularisierten
Bacchus) in den Anlagen. Nun hat im letzten
Monat Frankfurt einen neuen Brunnen erhalten,
Lederers Merkurbrunnen auf dem Theaterplatz.

Auch dieser Brunnen erfüllt alle Vorbedingungen
der Popularität. Er hat Leben und
Geist und eine Dosis schalkhaften Humors.
Merkur steht in Erz auf einem Piedestal von
Stein, das von einem Doppelfries von Widderköpfen
umkränzt ist. Aus dem Mund der
Widderköpfe ergießen sich die Wasserstrahlen
in die Brunnenschale, die von Kugeln gestützt
ist. Ueber die granitene Schale spült das Wasser
die Stufen hinab in eine Rinne, in der es zu
versickern scheint. (Eine Umwälzungspumpe,
unterirdisch, leitet es in stetem Kreislauf wieder
den Widderköpfen zu.) Merkur ist keine blutleere
Allegorie. Unkonventionell mit dem Attribut
eines Beutels statt des Stabes ausgestattet,
scheint er mitten im Leben zu stehen, mit
schlauem Lächeln das Getriebe überschauend.

Sehr fein ist der Aufbau des Werkes in der
Form einer schmückenden, lebenerfüllten Pyramide
. Ueberall Harmonie im Gleichmaß von
Ruhe und Bewegung, im Widerspiel von Wasser
und Stein ebenso wie in der krönenden Gestalt
selbst. Merkur selbst ist Ruhe in der
Bewegung, reizvoll und im Anschauen nicht
ermüdend durch den Reichtum der Bewegungsmotive
. Die Gestalt des Handelsgottes ist dargestellt
wie im Ausschreiten nach links und so
die Haltung von Oberkörper und rechtem Bein;
da scheint von rechts her ein anderes Motiv
einzuwirken, die Bewegung dorthin ablenkend,
und schon beginnt in der Wendung des Kopfes
und des linken Beines ein zweites Motiv das
erste zu durchkreuzen. Auch das Spiel der
Hände fügtein neues, selbständiges Motiv hinzu.

Der Brunnen findet in der Architektur des
sehr konventionellen Platzes keinerlei Unterstützung
. Umgekehrt gibt er dem Platze Einheit
und Charakter, die schönste Aufgabe eines
Monumentes so erfüllend: einen Platz zusammenzufassen
. Und wer mit dem wasserbelebten
Brunnen selbst Zwiesprache halten will,
vor dem erhebt er sich in der schlanken,
reinen Silhouette seiner belebten Pyramide
gegen den Himmel.

Der Brunnen ist von vaterstädtischer Bürgerliebe
gewidmet. „Zur Erinnerung an Anton
L. A. Hahn gestiftet von seinen Söhnen", sagt
die Inschrift des Brunnenschaftes. Für Frankfurt
ist er ein neues schönes Werk der Monumentalkunst
, das erste seit Kolbes Heine-
Denkmal von 1913, das zweite seit dem mehr
als hundertjährigen Hessen-Denkmal vor dem
Friedberger Tor. c. g.

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