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nicht erschöpft. Georg Tronnier ist in Hannover
hauptsächlich als Bildnismaler hervorgetreten
; sein neues Werk, das Porträt des Geheimrats
Arnold (Abb. S. 362), enthält in Haltung und
Farbe künstlerische Möglichkeiten, die einem
die Erinnerung an frühere stärkere Leistungen
des Malers wachrufen. Auch einige Künstler,
die vom Kunstgewerbe herkommen, seien hier
genannt. Aenne Koken erbringt in ihren
großflächigen plakatmäßigen Bildern den Beweis
ihrer starken Begabung für reklametechnische
Arbeiten; Heinrich Mittag bekundet
in seinen sauberen und geschmackvollen, aber
mit etwas allzu peinlicher Sorgfalt gepinselten
Blumen- und Gemüsestilleben eine beschaulichstille
Naturbetrachtung (Abb. S. 356).
Natürlich sind die Errungenschaften der
neueren Malerei zumal des Impressionismus
nicht spurlos an Hannover vorübergegangen.
Karl Wiederhold bedient sich in seinen meist
landschaftlichen Studien impressionistischer
Mittel und Carl Grono (Abb. S. 358) strebt
nach einer durch kurzabgesetzte Pinselstriche
belebten Fläche. Seine flimmernden Farbengewebe
sind von angenehmer Helligkeit, nur
wünscht man sich mehr Straffheit in der
Komposition und mehr Wucht im Vortrag,
denn sonst wirkt die Technik moderner als
die Bildauffassung und das führt zu einem
Zwiespalt, der uns nicht zu reinem Genüsse
kommen läßt. August Heitmüller führt
seit Jahren einen zähen Kampf um die Anerkennung
seiner tüchtigen, grundehrlichen
Kunst. Die fünf Bildnisse, die er diesmal auf der
Ausstellung hat, bezeichnen eine Art Abschnitt
in der Entwicklung des Künstlers (Abb. S.359).
Sein Aufstieg bis zu dieser Stufe ist naturgemäß
nicht glatt und gleichmäßig von statten
gegangen. Er hat probiert und experimentiert,
hat sich immer neue Aufgaben gestellt und
sie von immer neuen Seiten angefaßt, er hat
wirklich um den höchsten Ausdruck seiner
Kunst gerungen. Das Unstete und Sprunghafte
seiner frühen Entwicklung, das ihm gelegentlich
als Schwäche oder Unvermögen gedeutet
wurde, war gerade das sicherste Zeichen seines
künstlerischen Wachstums, denn — um
ein Wort des Rembrandtdeutschen zu benut-
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