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WALTHER PÜTTNER
STILLEBEN (1914)
DIE ALTERE UND DIE NEUE MALEREI WALTHER PUTTNERS
Von Hermann Eßwein
So wenig wie sonst ein Schaffender lebt
der Künstler außerhalb seiner Zeit.
Auch die schroffste Prägung seiner Eigenart
bewahrt ihn nicht vor der Fühlungnahme
mit dem, was der Epoche als solcher eigentümlich
ist. Stil der Persönlichkeit und Zeitstil
haben die mannigfachsten Wechselwirkungen
, Reibungen sowohl wie Versöhnungen
, zu bestehen, bis wir vom vollendeten
Lebenswerke klar den Anteil abzulesen
vermögen, den beide an ihm haben. Den
noch in voller Entwicklung Begriffenen
ringen wir das innerste Geheimnis ihres
künstlerischen Ich doch nicht ab, am wenigsten
denen, die sich nicht mit dem billigen
Ersatzmittel, mit der Pose einer „Handschrift
", einer „persönlichen Note" zu bescheiden
vermögen. Weit zugänglicher der
Nachprüfung, vielleicht weniger aufschlußreich
hinsichtlich des Wesens der Kunst
schlechthin, doch fruchtbarer im Hinblick
auf die Erkenntnis der Zeitkunst, reicher
außerdem an pädagogischer Ergiebigkeit für
die Mitstrebenden, ist das Verhältnis des
Künstlers zu den künstlerischen Bestrebungen
seiner Tage, und so sei denn hier ein
von jeher mit Bewußtsein Zeitgemäßer, ein
mit Willen und in keineswegs oberflächlichem
Sinn Moderner in seinen lehrreichen
Beziehungen zur Kunstbewegung der Zeit
betrachtet: Walther Püttner.
Der Künstler gilt vielen heute noch als
der typische Vertreter jener Richtung, die
von der inzwischen auseinandergegangenen
Münchener Ausstellergruppe „Die Scholle"
volkstümlich gemacht worden war. Der
Die Kunst für Alle XXXI. 19/20. 1. Juli 1916
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