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ausgehenden sechziger Jahre hat, und in
der Porträtwirkung bis zum Aeußersten
getrieben ist. Wiederum mit anderen Mitteln
hat Fritz Strobentz sich bei seinem
Bildnis Eugen Kirchners, das mit dem Interieur
zu einem delikaten Stilleben zusammenwächst
, ohne die scharfe Charakteristik
und prägnante Porträttreue aufzugeben, seiner
Aufgäbe genähert (Abb. S. 415), und auch
Fritz Rhein-Berlin, der diesmal mit ausgezeichneten
Werken besser vertreten ist als
alle anderen Gäste, hat seine eigene überzeugende
Note als Bildnismaler gefunden.
Sein unendlich sachlich angefaßtes und doch
mit künstlerischer Persönlichkeit völlig getränktes
Porträt des Generals von Strantz
bedeutet eine vorbildliche Auswertung aller
künstlerischen Möglichkeiten, die ein Offiziersbildnis
darzubieten hat (Abb. S. 410).
Essigs „General von Brug", draußen im
Feld, in Lille, entstanden, frisch und unmittelbar
hingesetzt, wirkt neben Rheins prachtvoller
Schöpfung wie ein Stenogramm neben
einem kalligraphischen Meisterwerk. Porträte
besonderer Art sind auch die „Farbigen
Engländer", außerordentlich frisch und
unmittelbar hingesetzte Bildnisse von Kriegsgefangenen
, die der hochbegabte junge
Theodor Baumgartner gab. Burme-
sters blondes, lichtes Kinderbildnis von
drolliger Anmut bildet ein interessantes Gegenstück
zu dem ganz artistisch behandelten
Knabenbild (Akt) Slevogts, der mit dieser
Arbeit — wie Corinth, mit seinem farbenstarken
Blumenstilleben und Orlik mit
einer Landschaft — nicht mehr als eine Visitenkarte
abgab. Landenbergers Stärke
darf man nicht in der Bildniskunst suchen.
Er hat diesmal ein „Fräulein S." gemalt
und das Bild ausgestellt, das zweifellos hohe
artistische Qualitäten hat, auch reich in der
Farbe und gut in der ganzen malerischen
HEINRICH POREP
AM DORFEINGANG
Ausstellung der Münchner Secession
412
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