Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 419
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ROBERT ENGELS

Ausstellung der Münchner Secession

VIEHWEIDE

denn die Entwürfe verheißen Ausgezeichnetes
; es ist etwas in ihnen, das an Vero-
nese gemahnt. In einer Aktstudie gibt sich
Herterichs Kunst intimer, das ist vorzüglich
gemaltes Fleisch, dessen blühenden,
lockenden Reiz man besonders empfindet,
wenn man in unmittelbarem Anschluß etwa
Hüthers Susanna oder Schwalbachs
ätherische Frauenakte oder die allegorische
Gestalt, die Josef Kitzler ausstellt, betrachtet
. Blühende Frauenschönheit zu malen
, die Nacktheit in ihrem Reiz zum Bilde
zu gestalten, scheint die heutige Generation
nicht mehr zu interessieren. Vielleicht befürchtet
sie, daß durch einen „schönen" Akt
das gegenständliche Interesse des Beschauers
zu sehr gefesselt und die Aufmerksamkeit,
die sich auf die malerische Ausdrucksform
konzentrieren soll, vom Wesentlichen abgelenkt
wird — eine Anschauung, die allerdings
nicht von der Hand zu weisen ist: indessen
wird die völlige Preisgabe des Schönheitsmoments
, die z.B. gerade bei dem Susannen-
Motiv eine völlige Umdrehung des Thematischen
bewirken muß, nicht eben häufig
durch künstlerische Werte wettgemacht. In

diesem Sinn kann ich mich weder für Fran z
Reinhardts „Amazonen", so originell das
Bild in der Raumaufteilung ist, noch für
Paul Roloffs „Beweinung", die kompositioneil
unbestreitbare Vorzüge besitzt,
besonders begeistern. In höherem Maße interessiert
mich Essers nuancenreiches Bild
„Weib des Putiphar", artistischer ist allerdings
die geheimnisvolle „Stille Straße" des
gleichen Künstlers. Leo Putz zeigt wieder
ein sehr sonniges Kahnbild neben einem
rassigen Frauenbildnis, Nissl ein feines,
pikantes Frauenkörperchen, ein wenig still-
lebenhaft behandelt, wie alles, was er malt,
J.Fehr einen keck hingeschmetterten Frauenakt
; von Willi Geiger sieht man eine
riesige Leinwand „Klagende Frauen", die
zwischen Graphik und Monumentalfresko in
der Mitte steht, aber den Stil des Tafelbilds
nicht trifft. Es ist nicht anders mit der neuen
Variante des Totentanzes von 1809, die
E gg er-Li enz ausstellt. Dagegen hat Julius
Diez in seiner geistreichen Allegorie „Der
Heerwurm" das graphische Moment überwunden
und dem Motiv malerische Probleme
abgewonnen. Ralls „Märtyrer" (Abb.S.420),

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