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HELA PETERS
Große Berliner Kunstausstellung
SELBSTBILDNIS
den Erwähnung getan, unter denen vor allem
die eigenartig rhythmisierten Detailstudien
Hjortzbergs zu Wandmalereien in Saltsjö-
baden (Abb. S.444) auffallen. O estermanns
Doppelbildnis zeigt seine elegante Art des
Porträtierens, und Fjaestads Schneelandschaften
haben seine bekannten Vorzüge.
Die Kriegsgraphik und Karikatur, die hier
ebensowenig wie in den Secessionsausstel-
lungen fehlt, wird von bekannten Zeichnern
der „Jugend", des „Simplicissimus" usw.
bestritten.
Von der Plastik ist in diesem Jahr weniger
zu sehen als früher, sie ist fast nur
in einem Saal versammelt. Matthaei-
Mitscherlichs Muttergruppe wirkt bedeutend
durch ihre Einfachheit, die „Salome"
von Friedrich hat viel Ausdruck in der
gewaltsam verbogenen Stellung. Der „Verwundete
Krieger" von Cauer bleibt noch
im Naturalistischen stecken, dagegen stellt
Lesnichs „Kopf eines Kriegers" (Abb.
S. 437) eine glückliche Anlehnung an frühgriechische
Plastik dar. Die in allen Sälen
verstreuten Bildnisbüsten von Heerführern
hätten viel besser in der Kriegsabteilung
Aufstellung gefunden. Eberleins Ergänzungen
der Parthenonskulpturen und sein
Phidiasrelief wirken geradezu grotesk durch
ihre Stillosigkeit.
Zu beiden Seiten des Eingangs sind Kriegsbilder
Deutschlands, Oesterreich-Ungarns
und Bulgariens untergebracht. Am meisten
Neugierde dürften die letzteren erwecken,
obwohl sie naturgemäß die schwächsten
sind. Die ungefähr gleichzeitig eröffnete
bulgarische Kunstausstellung zeigte uns eine
Reihe von Künstlern, die bestrebt sind, in
ihrem Lande so etwas wie künstlerische
Atmosphäre zu schaffen; sie sind dabei auf
die Vorbilder des Auslands angewiesen und
nicht immer auf die besten, und man könnte
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