http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0530
J. V. CISSARZ EHRENURKUNDE (STEINZEICHNUNG)
Leitung zu einem mustergültigen, groß angelegten
Betrieb ausgestaltet wurde. Aber so
glücklich sich auch Cissarz' kunstgewerbliche
Tätigkeit in Stuttgart anließ: Der Maler konnte
sich auch hier wieder sozusagen nur im Nebenberuf
und gegen mannigfache naheliegende
Vorurteile durchsetzen. Dieser Zustand gestaltete
sich für ihn umso mißlicher, als die
inzwischen zu neuer Geltung sich emporringende
dekorative Malerei seiner eigentlichen
Veranlagung, die von jeher auf die monumentale
Linie, auf kompositionelle Flächenbeherrschung
ausging, neue Ziele wies. Cissarz
hat sich denn auch in logischer Entwicklung
mit den technischen und künstlerischen Problemen
des architektonischen Wandbildes, an
deren Lösung in Stuttgart unter dem unvergleichlich
anregenden Einfluß Adolf Hölzeis
ja besonders eifrig gearbeitet wird, seit Jahren
aufs eindringlichste beschäftigt. Dekorative
Malereien kleinen und auch größeren Formats,
mit denen er da und dort auf Ausstellungen
hervortrat, und eine Unsumme von Skizzen,
in denen die Linienführung und die Gegensätze
von Hell und Dunkel auf ihre bildhaften,
konstruktiven Verwertungsmöglichkeiten untersucht
werden, legen davon Zeugnis ab. Im
Gegensatz zur Hölzelschule, die die künstlerischen
Mittel für das primär Gegebene ansieht,
aus dem das Gegenständliche zu entwickeln
ist, hält Cissarz an der Idee, an der klaren
inneren Anschauung als der ersten und letzten
Voraussetzung eines Kunstwerkes fest. Der
lineare und farbige Aufbau, der allein die
Bildwirkung sichert, wird aufs gewissenhafteste
durchgearbeitet, doch soll das konstruktive
Gerüste weder aufdringlich sichbar werden
noch die zeichnerische Richtigkeit je vergewaltigen
. Bei einem so ausgesprochenen zeichnerischen
Können, wie es Cissarz eignet, ist
dieser letztere Grundsatz ja wohl selbverständ-
lich. Im übrigen kommt es hier wie bei allen
458
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_33_1916/0530