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als Probedruck, als welcher er wegen seiner
großen Schönheit wohl ab und zu bezeichnet
wird. Der erwähnte Musterbogen scheint
nur noch in drei Exemplaren zu existieren:
eines im Besitz von Braun &, Schneider, eines
in der Münchner Graphischen Sammlung
und ein drittes bei dem Verfasser dieses
Aufsatzes. Auf dickem Papier kommt der
Gestiefelte Kater noch ein zweitesmal ohne
Auflagevermerk vor, aber nicht von Wolf,
sondern von Himmer in Augsburg gedruckt.
Ob das einzige mir bisher bekannte Exemplar,
das sich in meiner Sammlung befindet, als
Erstdruck anzusehen ist, scheint mir nicht
fraglich. Es ist einer Ausgabe der Münchner
Bilderbogen auf starkem Papier entnommen
, über die selbst im Verlag von
Braun & Schneider nichts zu erfahren war,
und die wohl als unzerreißbares Kinderbuch
gedacht war. Der Gestiefelte Kater
kommt nun noch einmal in einem Buche vor,
von dem man aber zurzeit nur kaum mehr als
drei Exemplare kennt. Es hat den Titel: „Das
größte Bilderbuch oder 96 Münchner Bilderbogen
in einem Bande, München bei Braun
& Schneider." Wann und zu welchem Zweck
das Buch veröffentlicht wurde, ist nicht mehr
festzustellen gewesen. Die Tradition im
Hause Braun & Schneider sagt, daß die Blätter
dieses Bandes Vorzugsdrucke seien, die
den Reisenden des Verlags auf ihre Tournee
mitgegeben wurden. In der Tat sind die
Drucke von hervorragender Frische und
Schönheit, und der Gestiefelte Kater dieser
Ausgabe kann sich wohl an Güte mit dem
von Wolf & Sohn messen. Gedruckt ist er
bei Schurich in München, der auch auf dem
Titelblatt als Drucker des ganzen Bandes
genannt ist, obschon eine Anzahl Blätter
bei F. A. Brockhaus in Leipzig und bei Himmer
in Augsburg gedruckt ist.
(^^sy'^\jo n der eingangs erwähnten
^■wjg^jggg^, StudiesprichtBeringerauch
W^y^^Wt a*s *n Schwinds Karlsruher
;#vkfi ^feiA entstanden, von den
^"H^^Ap\ Steinzeichnungen zu dem
JB^_^^5C^A mit Recht so angesehenen
Werke von Duller über Erz-
\ f^fflßrj/ herzog Karl. Dieses schöne
~.....Buch gehört in der Tat zu
Schwinds badischer Epoche, was schon daraus
hervorgeht, daß es in engem Zusammenhang
steht mit einem Hauptwerk des Künstlers
, das wohl wegen seines wenig verlockenden
Titels außerhalb der Sammlerkreise kaum
bekannt ist: ich meine Guido Schreibers
Badischen Wehrstand. Das reich illustrierte
Buch soll 1851 zuerst erschienen sein, doch
finden sich auch Exemplare mit der Jahreszahl
1849. Es scheint also, daß wegen der
damaligen innerpolitischen Unruhen die offizielle
Ausgabe etwas verzögert worden ist.
Der Text des Buches ist so trocken, wie man
es nach dem Titel ahnt, und doch hat Schwind
in ihm eine Anzahl seiner prächtigsten und
zugleich stärksten Schöpfungen niedergelegt.
Er hat etwas mehr als 20 Vignetten und
Initialen dafür gezeichnet, von denen allerdings
eine aus Dullers Erzherzog Karl wiederholt
ist. Die Vignetten für den Badischen
Wehrstand dürfen als das Schönste
gelten, was der deutsche Holzschnitt damals
hervorgebracht hat (Abb. S. 464). Es ist bezeichnend
für den Charakter der deutschen
Kunst, daß eine so ausgesprochen poetische
Natur,wie Schwind es gewesenist,seinBestes
damals — d. h. in der Zeit unmittelbar vor
seiner höchsten Reife ■—■ in einer ornamentalen
Aufgabe leistete. Er ist freilich ein
Schüler von Cornelius gewesen und hat viel
von dessen herber, ernster Charakteristik angenommen
, aber sein bestes Erbteil hat er unversehrt
bewahrt, den feinen, kultivierten
Geschmack der Altwiener Schule. Er behielt
immer den Sinn für einen sehr geschmackvollen
Schwung der Linie, in dem
sich sein zu gleicher Zeit heiteres und energisches
Wesen oder sagen wir lieber, der
im Grunde musikalische Charakter seiner
Kunst aufs glücklichste aussprach. Es ist
auffallend, daß bei Weigmann, wo Schwinds
Werke mit einer verschwenderischen Reichhaltigkeit
abgebildet sind, nur ganz wenige
von diesen Vignetten zu Schreibers Buch
zu finden sind. Schwinds Art ist, wie die
eines jeden echten Künstlers, ausgesprochen
persönlich, trotzdem kann er sich
natürlich den Tendenzen seiner Zeit nicht
entziehen. Wie weit er auch als süddeutscher
Romantiker von Menzels scharfem
Realismus absteht, so berührt sich doch
eine dieser Vignetten sehr nahe mit einer
der berühmtesten Zeichnungen von Menzel
für die Werke Friedrich des Großen (Abb.
Jahrg. 1914/15 S.416). Ich bemerke ausdrücklich
, daß ihre nahe Verwandtschaft Schwind
schon in den Verdacht einer nicht unbedenklichen
Abhängigkeit von Menzel gebracht
hat. Ein näherer Vergleich lehrt jedoch, daß
das nicht der Fall ist. Interessant ist auch
zu sehen, daß Schwinds Holzschnitt viel
mehr das gibt, was man den echten Holzschnittstil
nennt, während Menzels Vignette
fast etwas von der Wirkung eines feinen
Kupferdruckes hat.
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