Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 33. Band.1916
Seite: 476
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dem Großen und fühlen uns zu Synthesen gedrungen
, ähnlich jener großen Synthese der
abendlichen Natur, die Hebbel in den Versen
nachempfunden:

Und aus seinen Finsternissen
Tritt der Herr, soweit er kann,
Und die Fäden, die zerrissen,
Knüpft er alle wieder an.
Wenn wir von Stimmung sprechen, handelt
es sich gewöhnlich um den Gleichklang einer
Vielheit, um einheitliche Beherrschtheit, um
Zugehörigkeit zu einem gemeinsamen Grundwesen
. Wird aber ein gestimmtes Stück Wirklichkeit
Gegenstand der Wahrnehmung, so
wirkt sie auf das Subjekt stimmend über und
löst in ihm ein starkes oder schwaches, mehr
oder minder klares Spiel der Ergänzung aus.
Treten wir, mit diesen beiden primitiven Erkenntnissen
ausgerüstet, sie wenn möglich an
Beispielen erweiternd, der Frage näher: Wo
kann man in der Malerei von Stimmung
sprechen und mit welchen Mitteln finden wir
Stimmung erzeugt?

Zunächst scheint die Nachahmung gestimmter
Natur der geradeste Weg zum stimmungsvollen
Kunstwerk. Die gleichmäßig von Nebel
verschleierte Landschaft, das monotone Meer
oder sonst ein rein durchgestimmter Vorwurf
erbietet sich als Gegenstand des Stimmungswerkes
im landläufigen Sinne. Hier wird die
Wirklichkeit als schlichter Akkord erlebt, der
in der künstlerischen Wiederholung mit der
gleichen wohltätigen Einheit auf die Sinne
trifft. Doch eben diese Wiederholung durch
die Kunst kann mit grundverschiedenen Mitteln
geschehen und völlig verschiedene Wirkungen
zeitigen.

Wer eine Kreuzabnahme von Rubens mit
einer solchen von Rembrandt vergleicht, wird
nicht im Zweifel sein, auf welcher Seite die
Stimmung waltet. Als schlagendster Unterschied
wirkt vor allem dieser: bei Rubens
mengen sich die Dinge in ihrer Rundheit und
Kompaktheit, gebaut und vollgültig körperhaft
bewegen sich die Leiber, sie agieren zwar ineinander
, doch jeder in seiner klaren Plastizität
, jeder bleibt ein Stück für sich — Quader

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