Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 34. Band.1916
Seite: 25
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theodor karner

Kgl. Porzellan-Manufaktur Nymphenburg

reh und affe

NEUES NYMPHENBURGER PORZELLAN

Die Königlich Bayerische Porzellan-Manufaktur
in Nymphenburg betont in mancherlei
Hinsicht gern ihre Tradition. Die Hauptmeister
Alt-Nymphenburgs, der Italiener Franz
Bustelli, der Böhme Dominik Auliczek und
der Deutsche Johann Peter Melchior, leben in
der künstlerischen Produktion weiter: in mancher
Nymphenburger Schöpfung unserer Tage
verspürt man ihres Geistes einen Hauch, aber
man kann das Weiterleben auch in wörtlicherem
Sinne nehmen — ihre Meisterwerke werden
in vorzüglichen „Neuauflagen" heute noch „ausgebacken
" und strahlen wie vor hundertfünfzig
Jahren in ewiger Jugend. Dem Betrieb der
Manufaktur, der immer noch im ländlichen
Grün hinter den Rokoko-Kavalierhäusern im
nördlichen Schloßrondell seine Stätte hat wie
im Jahre 1758, da ihm hier Kurfürst Max III.
Joseph eine Behausung schuf, ist ein patriarchalischer
Zug eigen, der in alles Wirken und
Schaffen eine künstlerisch förderliche Altväterstimmung
trägt. Dabei wird einem doch bewußt,
daß jede der zahlreichen chemischen und technischen
Erkenntnisse, die bei der modernen
Porzellanfabrikation das geheimnisvolle Arka-
num der Alten abgelöst haben, hier praktisch
verwertet wird und daß die starke, echte Porzellanwirkung
Neu-Nymphenburger Arbeiten
in gleicher Weise das Werk des Künstlers wie
des Technikers ist . . .

Als um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts
die Manufaktur zurückging und namentlich
nach ihrem Verkauf an einen Privatmann
(1862) die künstlerischen Interessen Nebensache
wurden, erfolgte leider auch eine unentschuldbare
Verschleuderung der alten Originalmodelle
und -formen; als daher nach Ueber-
nahme der Manufaktur durch Albert Bäuml
im Jahre 1888 an die „Neuauflage" der alten
Porzellangruppen herangetreten wurde, konnte
nur in wenigen Fällen auf die Originalformen
zurückgegriffen werden. Andererseits schließt
sich natürlich ein bloßes Abgießen oder Abformen
der alten Porzellanplastik aus, da bekanntlich
der Härtungsprozeß im Ofen ein
Schwinden der Porzellanmasse um ein Siebtel
bewirkt und solche Verkleinerungen stets eine
Minderung der Qualität mit sich bringen. Deshalb
mußten Kopien der alten Plastik unter
Berücksichtigung dieses Einschrumpfungsverhältnisses
angefertigt werden, von ihnen wurde
sodann die negative Form gewonnen und allgemach
wird solchermaßen Alt-Nymphenburg
wieder geboren.

Dekorative Kunst. XIX. r. Oktober 1915

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