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ARCH. RUNGE 8, SCOTLAND-BREMEN LADEN DER KAFFEE-HANDELS-GESELLSCHAFT
IN WIEN: SCHAUFENSTER UND EINGANG □
ZU DEN ARBEITEN VON RUNGE & SCOTLAND IN BREMEN
Daß die Kaffee-Handels-Aktiengesellschaft in
Bremen für ihre mannigfachen geschickten
Werbeunternehmungen gut beraten ist,
mußte den Kunstfreunden schon längst aufgefallen
sein. Die Packungen und Schaufensteranordnungen
, die farbigen Werbebilder und
die Drucksachen, das Sporthaus auf der Hygiene
-Ausstellung und in Köln im vergangenen
Jahre, der Erfrischungsraum im Bremer
Hause der Werkbundausstellung sind Proben
davon gewesen. Dies glückliche, geschmackvolle
Gewand, in das die Kaffeehag ihre Geschäftsunternehmungen
kleidet, ist das Ergebnis
der alten Beziehungen des Gründers der
Firma, Roselius, zu den Architekten Runge
& Scotland, von deren Arbeiten hier die
Rede sein soll.
Ein Ladengeschäft, das die Kaffee-Handels-
Gesellschaft in Wien einrichtete, ist die Aufgabe
, aus deren Anlaß diese Raumlösung und
die Einzelmöbel entstanden.
Um ihnen gerecht zu werden, ist es nützlich
, sich zu besinnen, was wir heute vom
Kunsthandwerk dieser Art verlangen können
und wollen. Das Modernsein um jeden Preis
und aus Grundsatz hatte in der Zeit um 1900
dazu geführt, daß man jede Anlehnung an alte
Formen ablehnte und lieber nüchtern und formlos
sich gab.
Der Rückschlag gegen diesen Radikalismus
blieb nicht aus. Die Neigung zu der äußerlich
und innerlich unserer Zeit so verwandten guten
bürgerlichen Kultur aus Goethes Tagen läßt
sich nun einmal nicht hinwegleugnen. Niemand
will heute die Ueberlieferung gänzlich negieren.
Von Behrens bis R. A. Schröder, sogar von
Riemerschmid kann man ebenso wie von Bruno
Paul sagen, daß sie mit Naturnotwendigkeit
zu einer solchen Verarbeitung alter überlieferter
Formgedanken gelangt sind, die sich von selbst
ergibt, und die mit Absicht zu vermeiden
töricht wäre.
Dekorative Kunst. XIX. 2. November 1915
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