Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 34. Band.1916
Seite: 55
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KRISTALLSCHALE

GRAF HARRACHSCHE GLASFABRIK NEUWELT IN BÖHMEN

DIE GLASAUSSTELLUNG IN WIEN

DieAusstellungim Oesterreichischen Museum
wollte zunächst der vom Kriege hart bedrängten
Glasindustrie zuhilfe kommen. Wohl
kein Gebiet unseres Wirtschaftslebens ist in
seiner Gesamtheit so sehr auf den Export angewiesen
, keines reicht so weit, umfaßt in des
Wortes vollerer Bedeutung den Weltmarkt.
Hier mußte der Krieg zum plötzlichen Stillstande
führen; und ihn, wenigstens teilweise,
wieder in Bewegung zu setzen, die Kontinuität
der Arbeit, wenn auch im verminderten
Maße, aufrecht zu erhalten, wurde die zeitnotwendige
Pflicht der Nächstbeteiligten, in
erster Reihe des Verbandes der nordböhmischen
Glasindustriellen, der die Anregung gab,
in zweiter des Museums, das sie bereitwillig
aufnahm und mit vielseitigem Verständnis
durchführte. Die Art der Verarbeitung dieses
aktuellen Anlasses durch Direktor Hofrat Dr.
Eduard Leisching hat die Notstandsaktion
zu einem Ereignis von künstlerischem und,
darüber hinaus, von kulturellem Gewicht werden
lassen.

Bei dem eingreifenden Belang, der dem Glasbetrieb
für Kunst und Industrie in Oesterreich
zukommt, haben ihm die Schaubietungen des
Museums, die regelmäßigen und die gelegentlichen
, seit jeher besondere Aufmerksamkeit
zugewendet. Die Ausstellung der Fachschulen
1902 stärkte das Interesse und Verständnis
des Unternehmers und des Laien, und auf den
allgemeinen Ausstellungen der nächsten Jahre
stellte sich das Glas mit steigender Geltung

neben das übrige Kunstgewerbe. Nirgend ließ
sich die Stetigkeit seiner künstlerischen Entwicklung
vollkommener nachweisen als am
Beispiele der Firma Lobmeyr, deren Arbeit
die Stilgeschichte des österreichischen Glases
während der drei letzten Geschlechter darstellt;
die Ausstellung von 1914 gab diesen lehrreichen
Rückblick über die 1823 einsetzende Tätigkeit
des Hauses, das allmählich zum Gewissen
unserer Glasproduktion geworden ist. Aber
trotz allem — ein durchgreifendes Gesamtbild
von der Gegenwart dieses Werkgebietes war
bisher nicht geboten. Das brachte uns erst
der Krieg.

Der spannende Punkt der Ausstellung liegt
in dem Gegensatz von Industrie- und Kunstglas
; zwei gesonderte, das Wesentliche umfassende
Gruppen führen ihn vor. Was im Exportteil
an widerstreitenden Richtungen, an Verfälschung
ursprünglicher Form- und Schmuckwerte
, an Halb- und Ungeschmack der Abnehmermassen
aller Welt herauskommt, ist
ein trübes Kapitel moderner Kultur, das hier
nicht geschrieben werden kann, — wirtschaftlich
ebenso imposant wie künstlerisch ungeheuerlich
und niederschlagend. Nur diese Beziehung
, die zur Kunst im Gewerbe geht uns
hier an. Im Gedankenkreise eines modernen
Industriestaates müßte vor diesem Anblick der
Vorsatz wach werden, das, was sich hier
schlechthin verleugnet, Großbetrieb und Kunst,
zum möglichsten Ausgleich zu bringen. Uns
in Oesterreich liegt es näher, den Gegensatz,

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