Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 34. Band.1916
Seite: 130
(PDF, 110 MB)
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DEUTSCHE FORM IM KRIEGSJAHR*)

Das neue Werkbund-Jahrbuch ist erschienen.
Unter dem Titel „Deutsche Form im
Kriegsjahr" behandelt es die unglückselige
Kölner Ausstellung 1914, die — kaum gegrüßt
, gemieden — wenige Tage nach ihrer
endgültigen Fertigstellung wegen Kriegsausbruchs
geschlossen werden mußte. Man hatte
sich seinerzeit in Köln mit dem Gedanken
einer dickleibigen, mit Abbildungen gespickten
Denkschrift über die Ausstellung getragen;
diese Absicht mußte aufgegeben werden, und
es ist nicht schade darum. Denn schließlich
läßt sich das, was in Köln an wirklich Gutem
und restlos Gelöstem geboten wurde, auch
in weniger anspruchsvoller Form und in engerem
Rahmen zusammenfassen. Das Jahrbuch
unternimmt das, und ganz zweifellos sieht
die Ausstellung in dieser Reproduktion auf
168 tadellos gedruckten Tafeln besser aus als
seinerzeit in Wirklichkeit; das Buch bringt
es also zuwege, so etwas wie den verklärenden
Schimmer der Erinnerung über die mißglückte
Veranstaltung auszugießen. Das Prinzip
der Auslese, das bei der Zusammenstellung
des Jahrbuchs maßgebend war, hätte schon bei
dem Aufbau der Ausstellung Geltung gewinnen
müssen, dann wäre etwas Ganzes, Geschlossenes
herausgekommen. Durchblättert man das
Buch, so wird einem vor allem
bewußt, wieviel Arbeit deutsche
Künstler, deutsche Gewerbetreibende
und deutsche
Industrielle an die Ausstellung
wandten. Im Hinblick auf die
Quantität entschieden zu viel,
denn es liegt auf der Hand,
daß bei einer derartigen Riesenausstellung
viel Geringwertiges
unterlaufen mußte.
Erfreulicherweise ist aber
von diesen minderwertigen
Leistungen nur sehr wenig
in das Jahrbuch übergegangen
, und das Wenige vielleicht
nur in der unausge-

") Deutsche Form im Kriegsjahr. Jahrbuch
des Deutschen Werkbundes 1915.
Mit 168 Bilderseiten. Verlegt bei F. Bruckmann
A.-G., München. Preis 3 M.

BERTI ROSENBERG-BERLIN
DEKORATIVE STICKEREI a

sprochenen Absicht, auch charakteristische
Verirrungen zu zeigen. Da das Jahrbuch an
die Stelle der ausfallenden Denkschrift tritt,
also dokumentarischen Wert beansprucht und
beanspruchen darf, kann man diese Aufnahme
von Werken, die gewissermaßen „Gegenbeispiele
" sind, durchaus begreiflich finden. Freilich
ist zu bedauern, daß dadurch manchen
vorzüglichen Leistungen, die man in Köln zu
sehen bekam und die ein Anrecht gehabt
hätten, bei einer noch so strengen Auslese
berücksichtigt zu werden, der Platz weggenommen
wurde.

Der dem Tafelwerk vorangestellte Text von
Peter Jessen behandelt in sachlicher, aufschlußreicher
Weise die Vorgeschichte und
das Werden der Ausstellung, unternimmt es,
ihren Charakter zu umschreiben, und führt
schließlich in einem Rundgang durch die
Hallen. Die Werturteile, die Jessen abgibt,
sind vorsichtig formuliert, so daß auch andere
Meinungen daneben in ihrem Recht bestehen
bleiben. Allerdings hält Jessen Verirrungen
gegenüber sein Mißfallen nicht zurück und
spricht ganz offen von den Mängeln der Ausstellung
; daß er aber mit mehr Vergnügen
und mit größerer Ausführlichkeit verweilt bei
den gelungenen Lösungen, die man in Köln
fand, das liegt im Charakter
der Aufgabe, die er übernahm,
und entspricht auch dem gerade
heute wirksamen Zug im
deutschen Wesen, die positiven
Seiten einer Leistung
mehr zu betonen als die negativen
; aufzubauen statt einzureißen
; freudiger das Gute
anzuerkennen als das Schlechte
zu rügen. In diesem Sinn
muß das neue Jahrbuch im
ganzen eine positive Leistung
genannt werden — als Dokument
einer der wichtigsten
Stationen auf dem Entwicklungsgang
der Geschmacks-
bewegungin Deutschland steht
seine Bedeutung und sein Wert
außer aller Frage.

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