http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_34_1916/0225
JULIUS SEIDLERMÜNCHEN
HAUSPLASTIK AM
ZENTRALJUSTIZGEBÄUDE
IN NÜRNBERG
VON DER GESINNUNG IN ARCHITEKTUR
UND KUNSTGEWERBE
Die Erneuerung unseres architektonischen
und kunsthandwerklichen Schaffens setzte
ein mit einer starken Betonung des Ethischen
. Der Kampf gegen ödes Stilwesen,
gegen die Seichtheit der Nachahmung, gegen
Schundarbeit, gegen die Sinnlosigkeit, heutige
Lebensbedürfnisse einzupressen in Formen,
die einer anderen Lebensführung angemessen
waren, das Unwirtschaftliche und Unsoziale
dieses Raubbaus an den Kräften der Nation,
das alles waren Argumente mehr ethischer als
ästhetischer Natur. Mag sein, daß das Ueber-
betonen dieser Faktoren in erster Linie ein
taktischer Kniff der „Bewegung" war, daß man
ganz richtig kalkulierte, daß bei der Veranlagung
des Deutschen Forderungen der Moral
eher aufgenommen werden würden, als Ansprüche
der Sinne, als das Verlangen nach
neuer und lebendiger Schönheit. Sei dem wie
ihm wolle, jedenfalls waren die Apostel der
Dekorative Kunst. XIX. 6. März 1916
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