Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 34. Band.1916
Seite: 312
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MELITTA LÖFFLER-WIEN

STICKEREI IN BUNTER WOLLE

DIE TEXTILARBEITEN VON MELITTA LOFFLER

Die persönliche Aeußerung in derartigen
Dingen des Kunsthandwerkes, in Kissen,
Decken, Kappen, Beuteln, unterliegt einer vielfachen
Beschränkung. Material und Arbeitsweise
kehren wieder, der gleichbleibende Zweck
führt zu wenig verschiedenen Formen, der
Schmuck wird fast zum ausschließlichen Ausdrucksmittel
für das Besondere der Begabung.
Sie hat dann die Linie und Farbe, zunächst
in der Fläche, zu ihrer Verfügung.

Bei einem solchen Sachverhalt scheint die
Schulung fast alles leisten zu können. Und
wirklich ist der Wiener Kunstgewerbeschule gerade
auf dem Gebiete textüer Arbeit in den
letzten Jahren ein stattlicher und vortrefflicher
Stock von Handwerkern entwachsen, der Entwurf
und Ausführung aus dem Eigenen besorgt
. Hält man ihn etwa gegen den Nachwuchs
an Keramikern — gemeint ist auch hier
die Masse und ihr Gemeinsames, nicht das Einzelne
, — dann wird es recht offenkundig, daß
der Erziehungsdurchschnitt dort schon jetzt
einem höher gespannten, fester geschlossenen

Niveau näher kommt. Das mag sich daraus erklären
, daß Handfertigkeit und Geschmack für
diesen Arbeitsstoff in Wien bodenständig sind,
daß auch das Verständnis des Laienkäufers
mittelbar fördernd eingreift und daß hier die
grundgebende Uebereinkunft schwerer wiegt als
der persönliche Einschlag. Alle Ursachen verbinden
sich zur Erwirkung eines sozial umschriebenen
Handwerkszweiges. Und es ist ein
wesentlicher Vorzug der Schulwerkstätte, daß
sie den positiven Wert solcher Voraussetzungen
gerade hier ganz erkannt und planmäßig genützt
hat, — nur daß sie innerhalb dieser gut konservativen
Haltung auch die Keime eigener Künstlerschaft
im Schüler aufsuchte und in einem
wohltemperierten Maße pflegte. Nur so erreichte
sie, was dieses Handwerk gewiß schon
heute wieder hat: Kultur.

Bei Melitta Löffler hat die Linie eine besonders
gelenkige Beweglichkeit, verlangt nach
hellen, heiteren Farben, bringt das geometrische,
blumige oder figürliche Muster, das hier einer
strengeren Stilisierung widerstrebt, zu tonig

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