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ARCH. PAUL MEBES-BERLIN
DIE OBERREALSCHULE IN ZEHLENDORF: RELIEF AN
DER VORHALLE VON WALTHER SCHMARJE-BERLIN
DIE OBERREALSCHULE IN ZEHLENDORF
Ein Schulbau von Paul Mebes
MEBES hat der Gemeinde Zehlendorf
ein Schulhaus, eine neue Oberrealschule
, erbaut. Nebenan steht ein Gymnasium,
das vor 15 Jahren etwa gebaut sein mag.
Erbauer war Thyriot, ein Frankfurter Architekt
, von dem die breitere Oeffentlichkeit
nichts mehr wissen würde, wäre bei dem
Wettbewerb um die Washingtoner Botschaft
nicht ein gänzlich unmögliches Projekt von
ihm mit einem Preis bedacht worden. Dieser
Thyriot, seines Zeichens Schäferschüler, war
keineswegs ein unbegabter Architekt. Wenn
damals die Gemeinde sich ihn heranholte,
so wollte sie damit schon etwas künstlerisch
Belangvolles. Dem Bau, den er errichtet hat,
fehlt es auch durchaus nicht an Qualitäten. Man
kann ihn — im Gegensatz zu den meisten
Produkten aus jener Zeit — heute noch
sehen. Der Gegensatz zu dem, was Mebes
geschaffen hat, besteht in dem prinzipiellen
Ausgangspunkt. Nicht oft hat man so handgreiflich
die Beispiele nebeneinander, die
vergleichen lassen, wieso die tüchtige Architektur
von damals und von heute zu so verschiedenartigen
Resultaten kommen konnten.
Der Wille zur Sachlichkeit ist hier wie da
zu spüren; bei Thyriot ist er vielleicht nur
vorhanden, bei dem Neueren vorwaltend,
eigentlich ausschlaggebend. Beide, der Jüngere
wie der Aeltere, lassen sich ganz richtig
leiten von der repräsentativen Notwendigkeit
eines solchen Gemeindebaus. Solch
höhere Lehranstalt im Ort zu haben, ist
zunächst einmal ein Vorrecht der Gemeinde.
Sie hat damit ihren Bürgern und denen, die
sie von anderwärts noch her haben möchte,
etwas zu bieten. Jung und entwicklungshungrig
wie alle die Gemeinden sind, die
ihren Aufschwung der Berliner Mietskasernenmisere
verdanken, hat sie guten Grund
solche Vorteile ins rechte Licht zu rücken.
Es ist nicht Großmannssucht in solch öffentlichem
Bauwerk die aufsteigende Entwicklung
, die die Gemeinde nimmt, zu dokumentieren
. Und es ist nicht falsches Pathos, zu
bekunden, daß man das Wesentliche mit einem
Sinn fürs Große und Würdevolle tun möchte.
Thyriot hat diese repräsentative Größe gesucht
durch eine mächtige Architekturentfaltung
, die sich wohl abfindet mit dem profanen
Zweck des Bauwerks, die diesen Zweck
wohl auch nie vergewaltigt, die aber doch von
außen herangebracht ist, während Mebes —
im Fahrwasser der gegenwärtigen Architekturbestrebungen
— erst und vor allem
den Zweck sieht und aus ihm heraus zur
großen Wirkung zu kommen strebt. Es ist
wohl nicht falsch, wenn ich mir vorstelle,
Dekorative Kunst. XIX. n. August 1916
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