http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_34_1916/0463
ARCH. OSWIN HEMPEL-DRESDEN
HAUS WOLF-COSSMANNSDORF
: GARDEROBERAUM
wußtsein kommen läßt, erweckt dies an der
Gartenseite den Eindruck eines lebenstrotzenden
Organismus, der sich von innen nach
außen, in ländlicher Sorglosigkeit, aber durch
das mächtige Dach väterlich behütet, in die
Natur und ihre Reize und Gaben hineinwächst.
Die Anlage des Innern wird durch den Wunsch
nach wenigen, aber deutlich charakterisierten
und durch stark sprechende Motive beherrschten
Raumeinheiten bestimmt. Eine gewölbte
Vorhalle, deren farbige Kachelwände heiter
glänzen, führt in den Empfangsraum, der über
wenige Stufen unmittelbar in die Halle übergeht
. Ein von zwei freistehenden Marmorsäulen
getragener Rundbogen schlägt den Akkord
festlicher Würde an, der durch das in reichem
Maße als Vertäfelung verwandte Holz, die helle
Decke mit den wuchtigen Unterzügen und die
gelassene Linie der Treppe, deren üppig rankendes
Geländer den Blick lebhaft fesselt,
weitergetragen wird. Eine sehr sorgfältige Durchbildung
des Estrichs erhöht die Stimmung der
Schmuckfreudigkeit, die alle Räume des Erdgeschosses
durchzieht. Im Herrenzimmer steht
das schimmernde Braun des Holzwerkes neben
einer dunkelroten Wandbespannung, im Zimmer
der Dame Mahagoni auf einem gedämpft
gelbgrauen Damast. Die Pilasterarchitektur
des Speisezimmers schafft eine Raumwirkung,
der man in gewissen Innenräumen der Spätrenaissance
schon begegnet sein mag; in Einzelheiten
, wie den Zwickelfüllungen über der
Kredenznische, regt sich ein freieres Formgefühl
, und das kräftige Blau der Bezüge der
Lichtschirme und Vorhänge ruft uns vollends
in die Gegenwart zurück. Von den Zimmern
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