Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 34. Band.1916
Seite: 401
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ARCH. DAGOBERT PECHE-WIEN

BONBONDOSEN, SILBER GETRIEBEN

Ausführung: Wiener Werkstätte

DAGOBERT PECHE

Salzburg und Wien, Josef Hoffmann und
das Slawische haben diese Persönlichkeit
befruchtet und sind noch immer an ihrer
Läuterung beteiligt. Denn noch gärt diese
Jugend, noch ist sie nicht ganz geklärt, rauflustig
und blühend, bewegt sie sich mit gleichem
Behagen auf allen Gebieten des künstlerischen
Schaffens, hat die selige Unruhe überquellender
Phantasie, hat unverwirklichte Gedanken
und unerfüllte Sehnsucht. Wir treten hier
einem Temperament mitten in seiner vollen
Bewegung entgegen, freuen uns seiner selbstherrlichen
Fülle und sehen unsere beste Pflicht
in dieser reinen Betrachtung, die weder nach
dem Fertigen des durchmessenen Weges, noch
nach den Verheißungen der anbrechenden
Reife peinlich fragt, nicht nachrechnet und
vorschreibt, sondern genießt. Wir sehen die
Kraft, vertrauen ihrem Reichtum und wollen
ihr keine Klärungen bringen, die sie bisher
in der eigenen Arbeit gewann, dort weiter
gewinnen und uns bringen muß. Es ist uns
genug, der Entfaltung solcher Künstlerjugend
gastlich anzuwohnen.

Es kann einem Wiener Kinde nicht leicht
etwas Besseres widerfahren, als die Zeit seiner
ersten Reife in Salzburg zu verbringen. Der
Verwirrung und dem Angriff der Großstadt
entzogen, werden hier die Stürme der Seele
von dem freundlichen Frieden einer in jeder
Anmut prangenden Stadt umhegt, in ihre Stille
gelenkt und zum reichen inneren Knabenglück.
Man wird diese Beisteuer Salzburgs, das
Blumige und das spielend Festliche, das erste
Bekennen zu einem dem Ernst und der Schwere

fremden, von mutwilliger Schönheit geschmückten
und erleichterten Dasein, die fortwirkende
Erinnerung an die Gärten von Mirabell im
Werke Peches wiederfinden. Gerade auf
diesem Knabenglück beruht der Giund seiner
heiteren Männlichkeit und dazu die landstädtische
Umgrenzung seiner von Wien entfesselten
Begabung.

Gewiß, Peche brauchte Wien. Hier fand
er die Heimkehr auf mütterlichen Boden, beschwert
von der seligen Fracht der Salzburger
Jahre, hier traf ihn der Anruf des vielfältigen
Großstadtbedürfnisses nach feinem Schmuck
des Haus- und Straßenlebens. Hier begegnet
aber auch gerade er der vielfachen Gefährdung
, der beweglichen Mode vom Tage in
die Hände zu fallen. Und da ist es doch
ein Zeichen seiner schlummernden, auch heute
noch nicht sinnfällig gewordenen Ernsthaftigkeit
, daß er, dessen Art und Alter leicht und
zu anmutigen Spielen geneigt erschien, zunächst
die Lehre der strengsten Kunst suchte.
Von der Schule Otto Wagners, dem weltstädtischen
Absolutismus der Zweckmäßigkeit, wie
er ihn hier sah, befremdlich berührt, tauscht
er die Technik gegen die Akademie und gewinnt
in Ludwig Ohmann einen der eigenen
Anlage zusagenderen Führer in der Architektur
. Weder der eine noch der andere hat
seinem beginnenden Werke deutliche Richtungen
gegeben, aber auf der Spur beider findet
das Talent den Weg zur Bekundung der eigenen
architektonischen Gesinnung, die im Empire
wurzelt. Die Grundlinie der Bauform aller
seiner kecken Einfälle ist die schlank strebende,

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