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g. berger
stilleben mit reh
großen Spanier und der goldtonigen Venezianer
durchlaufen, hat Rembrandt studiert und sich
an Rubens berauscht, ist aber Lenbach geblieben
. Es ist, als sei das noble Damenbildnis
dessen ein Zeugnis: hinter Goya und Tizian,
die für die Haltung des Bildes bestimmend
wurden, blickt Lenbach selbst aus dem Bild
heraus.
In gewissem Sinn kann Moritz Kellerhoven
als ein Vorläufer Lenbachs angesehen
werden (Abb. S. 4). Er wurzelt noch
völlig im 18. Jahrhundert und in der französischen
Kultur des ancien regime. Er stammte
aus den Rheinlanden, reiste viel, lebte in dem
eleganten Wien Josephs II. Der Kurfürst Karl
Theodor von Bayern, der auch in München
seine Vorliebe für Rheinland und die Rheinländer
nicht verbarg, berief Kellerhoven, der
in jungen Jahren, aber doch schon als ausgereifter
, fertiger Künstler in das dornenvolle
Amt eines Hofmalers eintrat. Das war kurz
vor der Revolution. Er wurde ein alter Herr
und lebte und malte bis 1830; fast ein halbes
Jahrhundert seines Lebens gehörte München.
Er porträtierte und porträtierte — nicht alle
Bildnisse sind von gleichem Wert, aber es sind
einige darunter, die in ihrer unerbittlichen
Treue kaum hinter Goya und in der Anmut
der Erscheinung und Brillanz der Technik kaum
hinter den Pariser Frauenporträts von David
zurückstehen. Der bayerische Gemäldeschatz
konnte schon längere Zeit einige Werke Kellerhovens
sein eigen nennen, sie hingen in Schleißheim
, wurden aber 1913 in die Neue Pinakothek
versetzt: zwei kraftvolle Männerbildnisse,
denen sich nun ein Damenbildnis im Kostüm
Empire gesellt, eine feine delikate Malerei von
hoher Plastik und von ausgesprochener Prägnanz
der psychologischen Durchbildung, dabei
sehr reizvoll und fein in allen Einzelheiten,
ein Porträt, das nach Haltung und Technik
selbst zwischen Davids Madame Seriziat und
Goyas Bildnis der Schauspielerin Tirana sich
zu behaupten wüßte.
Von anderen Werken der älteren Münchner
Schule ist ein Genrestück von W. Grögler
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