Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 29
(PDF, 137 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0045
karl alb1ker entwurfskizze für das giebelfeld des

karlsruher konzerthauses (anadyomene)

KARL ALBIKER

Von Georg Jacob Wolf

Die Kunst des Bildhauers enträt der Beweglichkeit
, mit der Maler und Graphiker
zu Werke gehen dürfen. Wie der stoffliche
Umkreis des Plastikers begrenzt ist, so binden
ihn auch geheiligte Gesetze an die Ueberlie-
ferung, deren Tafeln er nicht ungestraft zerbrechen
darf. Der Plastiker, der sich der
Grenzen seiner Kunst bewußt ist und der
heißen Lockung widerstehen kann, sie zu übertreten
, bewahrt seine Kraft vor Zersplitterung
— es wird ihm dafür beschieden sein, innerhalb
der gesteckten und respektierten Grenzen
desto Eigeneres, Persönlicheres zu geben.

Irgend jemand hat einmal festgestellt, es sei
nicht nötig, etwas Neues zu sagen, um originell
zu sein. Ich möchte damit in diesem Zusammenhang
andeuten, daß es ein Bildhauer, um
eigenartig zu sein, nicht nötig hat, zu negieren,
was vor ihm war; daß er sogar auf Irrwege
gerät, wenn er mit den Mitteln seiner Kunst
aus sich selbst eine neue Welt schaffen will.
Er soll sich im Gegenteil der Ueberlieferung
ruhig anvertrauen. Vor den hohen Werken
Aegyptens darf er in andächtiger Versunken-
heit stillestehen. Diese Andacht wird ihm nicht
unbelohnt bleiben. Sein Blick wird reifen, sein

Auge sich wundersam bilden, sein Sinn sich
an der Geschlossenheit und der inneren Harmonie
dieser Götter- und Königsgestalten erquicken
. Er wird den Zusammenhang der Nil-
Kunst mit den gotischen Wundern von Naumburg
und Bamberg schauen und erkennen.
Und all das wird in ihm leben, ihn innerlich
reich und frei machen, ihn vor zeitgenössischen
Einflüssen und vor verkehrten Kompromissen
bewahren, ihn mutig seinem Ziel entgegenführen
und so segnend über seinem Schaffen
stehen.

Karl Albikers Werk verleugnet nirgends die
Zusammenhänge mit stolzen Werken der Vorzeit
— oder vielmehr: nicht mit den Werken
selbst, sondern mit der Gesinnung und der
Stimmung, aus der diese Werke entstanden.
Albiker antikisiert trotzdem nicht. Er ist kein
Kopist. Er ist durchaus Zeitgenosse. Er gibt
Geist vom Geist der Zeit. Er ist „modern",
wie man früher schlechthin einen Künstler
nannte, dessen Werke in ihrer Erscheinung
der gebräuchlichen glatten, abgegriffenen Manier
zuwiderliefen. In seiner Formensprache und
in der Handhabung seiner Technik ist er, ohne
auf irgendwelchen Einfluß angewiesen zu sein,

29


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0045