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ALICE TRUBNER
Von Karl Widmer
Aus dem Künstlerkreis um Wilhelm Trübner,
L dessen Reihen der Tod in den letzten Jahren
so stark gelichtet hat, ist nun auch die
Persönlichkeit geschieden, die Trübner menschlich
am nächsten stand. Im vergangenen März
ist die Gattin des Künstlers, Frau Alice Trübner
, durch einen tödlichen Unfall unerwartet
rasch aus ihrer Laufbahn gerissen worden.
Alice Trübner ist im Jahre 1876 zu Brad-
ford in England geboren. Ihr Vater war ein
Deutscher namens Auerbach, der sich vorübergehend
in England niedergelassen hatte, ihre
Mutter eine Engländerin. Ihre Erziehung hat
sie in Deutschland genossen. In ihrem zehnten
Lebensjahr siedelten die Eltern in die Heimatstadt
ihres Vaters, nach Frankfurt am Main
über. Hier hat Alice Trübner den größten
Teil ihrer Jugend verbracht. Als sich das
Bewußtsein ihres künstlerischen Berufs bei
ihr durchgesetzt hatte, ging sie nach München
und wurde hier eine Schülerin von Schmid-
Reutte, der damals die Zeichenklasse des
Münchner Künstlerinnenvereins leitete. Ihren
künftigen Gatten lernte sie in Frankfurt kennen
. Es war in der Zeit, in der Trübner als
Professor am Städelschen Institut tätig war.
Hat sie zunächst die Bewunderung für Trübners
Kunst und der Ruf seiner Lehrtätigkeit
angezogen, so vertiefte sich bald das
Verhältnis zwischen beiden unter dem Eindruck
, den die ungewöhnliche Begabung und
die interessante und faszinierende Persönlichkeit
seiner Schülerin auf Trübner ausübte.
Im Jahr 1900 wurde in Frankfurt unter ihnen
der Ehebund geschlossen. Drei Jahre darauf
folgte Alice Trübner ihrem Gatten nach Karlsruhe
, wohin dieser als Professor an die Akademie
berufen wurde. Nachdem ihr erstes
Kind, ein Mädchen, 1901 früh gestorben war,
schenkte sie kurz vor ihrer Uebersiedelung
einem zweiten, dem Sohn Jörg, das Leben.
Seitdem ist bis zu ihrem Tode in ihrem
äußern Lebensgang kein eingreifendes Ereignis
mehr eingetreten.
Um so reicher waren die fünfzehn Jahre
dieser Ehe, was ihre innere Entwicklung, die
Entfaltung ihres künstlerischen Talents betrifft.
Es ist die Zeit, in der ihr künstlerisches Lebenswerk
gereift und abgeschlossen worden ist.
Viel verdankt sie dabei natürlich der geistigen
Gemeinschaft mit ihrem Gatten, den befruchtenden
Anregungen, die von seiner großen
Kunst auf sie ausgegangen sind. Aber
noch wesentlicher ist, wie sich dabei ihre
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