Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 59
(PDF, 137 MB)
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Dinge dieser Art nur Aeußerlichkeiten sind, aber
es läßt sich kaum sagen, wie viel Verstimmendes
in solcher Vernachlässigung der guten äußeren
Wirkung liegt, und man ist nur zu leicht geneigt,
daraus Schlüsse zu ziehen. Alles in allem: das
Werk hat nichts Abschließendes, aber es ist in
hohem Grad verdienstlich als Materialsammlung.
Für den, der sich mit der Geschichte der Kunst
des 17. und 18. Jahrhunderts beschäftigt, ist es eine
Fundgrube: da liegen die Glieder einer Kette, Stück
bei Stück — wie schade, daß sie nicht zur Kette
zusammengefügt sind! Wolf

Friedrich Wasmann. Ein deutsches Künstlerleben
, von ihm selbst geschildert. Herausgegeben
von Bernt Grönvold. Leipzig, Inselverlag 1915.

Der Hamburger Maler Friedrich Wasmann hat
auf der Berliner Jahrhundertausstellung 1906 post-
humerweise jene wohlverdienten Ehren erfahren,
die ihm bei Lebzeiten versagt geblieben waren. Erst
lange nach seinem Tod ist ihm in Bernt Grönvold
ein unverdrossener, man möchte fast sagen: fanatischer
Anwalt erstanden, der seither nicht nur unermüdlich
und unter Opfern für die Anerkennung
des Künstlers warb, sondern auch auf den Menschen
Friedrich Wasmann und auf seine zwar nicht gerade
seltsamen, aber in der Intensität des Erlebens
erschütternden Schicksale nachdrücklichst
hinwies. In den 1860 er Jahren hat Wasmann, der
1805 geboren wurde und 1886 starb, eine Selbstbiographie
geschrieben, für die er jahrelang vergeblich
einen Verleger gesucht, und die er, als alle
Versuche derart fehlgeschlagen waren, enttäuscht
beiseite gelegt hatte. Grönvold erhielt vor mehr als

zwanzig Jahren das umfangreiche Manuskript von
Wasmanns Witwe ausgehändigt, veranstaltete 1896
eine Privatpublikation in 500 numerierten Exemplaren
, die niemand haben wollte, und legt nun, nachdem
inzwischen Wasmanns künstlerische Leistung
die verdiente Anerkennung gefunden, diese Selbstbiographie
aufs neue und mit mehr Aussicht auf Erfolg
vor. Die Art, wie die Selbstbiographie geschrieben
ist, hat etwas Biedermeierliches, d. h.
etwas höchst Unsoziales, desto ausgesprochener
Persönliches, sie geschah fast ohne Seitenblicke
auf die Umwelt, notiert aber trotzdem die kleinsten
Erlebnisse. Bei alledem entbehrt sie des großen
Zuges und der zeitgeschichtlichen Bedeutung nicht.
Denn in Wasmann selbst ist ein Teil des Zeitgeistes
verkörpert. In diesem Leben ist die Sehnsucht
des nördlichen Menschen nach dem Süden
Herrscherin, und diese Sehnsucht manifestiert sich
besonders in Wasmanns Konvertierung: er wurde
Katholik, nicht, wie er selbst glaubte, aus Herzensnot
, sondern weil die Konvertierung für sein
künstlerisches Empfinden eine Notwendigkeit war,
weil er der purpurnen Feierlichkeit und der Mystik
des Katholizismus für sein künstlerisches Werk
bedurfte, gerade wie die Nazarener, die man wohl
auch die „Klosterbrüder von S. Isidoro" nannte
und deren Epigone er ist — ich meine: in der
Empfindung, nicht in der wesentlich moderneren
Ausdrucksform seiner Kunst. — Die zahlreichen
Lichtdruck - Reproduktionen nach Bildern Wasmanns
, die dem Buch beigegeben wurden, sind sehr
willkommen: ist doch Wasmann immer noch ein
so gut wie ungekannter Mann, trotzdem man seinen
Namen emphatisch nennt. G.J.W.

ALICE TRÜBNER JAPANISCHE PUPPE MIT LEUCHTER

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