Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 97
(PDF, 137 MB)
Startseite des Bandes
Zugehörige Bände
Varia

  (z. B.: IV, 145, xii)



Lizenz: Public Domain Mark 1.0
Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0121
hängt wie leblos über dem Sattel des Generals.
Helle und dunkle Felsen ringsum.

20. Bergsturz. Da trifft eine Steinlawine
Reiter und Roß. Das Mädchen ist plötzlich
befreit und klimmt nun, wild flüchtend, den
steilen Berg heran, während Pferd und Reiter
sich unten in ihrem Blute wälzen.

21. Flucht. Schon ist die Fliehende dem
Gipfel nahe. Es gilt die letzte Steile. Die
Kräfte versagen. Da reicht der Berggott der
Erschöpften den Arm und zieht die Ermattende
auf die Höhe.

22. Gefangen. Auf der Höhe lauert neues
Schicksal. Der Jude findet die Schöne, setzt
sie auf das Maultier und hält den Speer vor,
daß sie nicht entweichen und geraubt werden
kann. Es geht einen anderen hohen Felsweg
wieder herauf. In der Ferne glänzt zwischen
den Felsen eine Burg.

B. Zweiter Teil

Der zweite Teil des Zyklus führt aus der
Romantik der freien Natur in die dumpfere
Welt der Stadt, des Palastes, des Harems.

23. Am Tor. Der Jude kommt mit dem
Esel, auf dem das geraubte Mädchen resigniert
, eher gleichgültig sitzt, am Tor der Stadt
oder des Palastes an. Hier steht der Palastwächter
an der Barrikade; bei ihm eine Menge
neugieriger Frauen. Am Fallgitter des Tores
sieht man drei aufgespießte Männerköpfe.

24. Vor der Königin. Im weiten Hof des
Harems sitzt die Königin auf dem Teppich,
ringsum viele andere Frauen. Die Neuangekommene
steht vor ihr, der Mantel fällt und sie
bietet ihre frischen strahlenden Glieder den
neidischen Augen der Rivalinnen. Palmen ragen
über die Mauer des Hofes hinaus.

25. Bereitung zum Tanz. Im engen Zimmer
wird die neue Favoritin gesalbt und gebadet.
Der entzückten Dienerin entfällt die Salbenbüchse
; sie küßt den schönen Knöchel. Die
Königin sieht's; diese steht draußen und blickt
durch den zurückgeschlagenen Vorhang.

26. Die große Göttin. Wieder, wie so oft
bei Klinger, tritt Aphrodite zwischen das Geschick
der Menschen. Die Schaumgeborene
schwebt über den Wassern ihrer Heimat, sie
thront auf Wolken und ragt mit dem Kopf,
dessen Stirne nicht mehr sichtbar ist, bis an
die Sterne. Rings liegen verendend die Opfer
ihrer Macht; in den Wassern und auf den
Wolken in tödlicher Leidenschaft Verzweifelnde
. Aus den Fluten der Ferne taucht ein
Eiland heraus, das die Silhouette Capris zeigt.

27. Tanz. Die Königin hat die Schöne in
ihr Gemach kommen lassen, in dem sie einsam
auf der Matte sitzt. Nun tanzt die Schöne.
Ein weiter, farbiger Rock bauscht mit starker
Bewegung um die Schenkel der Tanzenden;
ihr Oberkörper ist nackt. Auf dem Haar des
Mädchens glänzt ein Diadem. Sechs Frauen
schlagen die Harfen und geben den Rhythmus
des Tanzes an.

28. Bestürmung. Ein Gelage ist gerichtet,
ein üppiges Mahl; Wein, Blumen und Früchte.
Vor dem Diwan kniet die Königin vor der
Tänzerin. Ihre Krone fiel vom Haupte, ihre
Kleider von den Schultern. Halbnackt umklammert
sie begehrlich das Mädchen, das sich
wehrt und sein Gesicht verhüllt.

29. Geschenke. Die Königin läßt nicht ab.
Man hat die Kauernde auf den Söller des Palastes
gebracht; hier soll sie nackt angekettet
werden, wenn sie nicht die Geschenke annimmt
, die Eunuchen ihr bringen. Kästchen
und Teppiche kostbarster Art. Aber die Stolze
blickt nicht auf, sie verhüllt ihr Gesicht und
schweigt.

30. Auf dem Turm. Nun ist sie gefangen,
gekettet, hilflos auf höchster Zinne. Sonnenglut
und Regenstürme bedrohen sie. Aus den
Steinen blüht ein Magnolienbaum heraus; ein
abgefallenes Blatt liegt da, das die Gefesselte
gerade noch erreichen kann. Mit dem Stiel
eines anderen Blattes schreibt sie einige Worte
auf das Blatt, mühsam sich hinkauernd.

31. Drohung. Aufs neue erscheint die Königin
oben auf der Zinne. Mit dem Dolch will
sie in der stillen Mondnacht auf die Gefesselte
eindringen. Aber ihr fehlt denn doch der letzte
Mut. Hell leuchten die Gipfelriesen im Mondenschein
.

32. Königin und Göttin. In diesem Augenblick
höchster Not erscheint Frau Venus, über
Wolken und Wassern daherschwebend. Auch
vor ihr kniet die Königin in leidenschaftlichem
Flehen. Aber die Göttin deutet mit erhabener
Gebärde das „Nein" an.

33. Göttin und Zauberer. Die Göttin steigt
herab in das Element der Wassertiefe und holt
aus den Wogen den alten Zauberer, den sie
mit ihren schlanken Gliedern umschmeichelt
und kirre macht, daß er ihrer Bitte folgt. Dieselbe
Landschaft wie auf Blatt 26.

34. Zauberer und Ritter. Der Zauberer macht
sich auf. Tief im Wald schläft ein Ritter unter
dem Baum, ruhend vom Schwertkampf. Hell
wiehert sein Roß auf der Weide. Da naht der
Zauberer dem Ritter, weckt ihn und kündet
ihm Wundermäre von einer weißen, gefangenen
Frau.

35. Traumweg. Der Ritter reitet durch blühende
Wiesen, zum Bach, zum Wald, die Furt
suchend wie Parzival. Vor seinen ahnenden

Die Kunst für Alle XXXII.

97

13


Zur ersten Seite Eine Seite zurück Eine Seite vor Zur letzten Seite   Seitenansicht vergrößern   Gegen den Uhrzeigersinn drehen Im Uhrzeigersinn drehen   Aktuelle Seite drucken   Schrift verkleinern Schrift vergrößern   Linke Spalte schmaler; 4× -> ausblenden   Linke Spalte breiter/einblenden   Anzeige im DFG-Viewer
http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0121