Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 111
(PDF, 137 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0135
Welt für den Beschauer." Diese Worte Grillparzers
decken sich mit dem ästhetischen Glaubensbekenntnis
Liebermanns. Gleichgültig sind ihm Idee und
Sujet; vielleicht zu gleichgültig. Ebenso weist er
der Technik eine untergeordnete Stellung zu. Sie
hat nur insoweit künstlerisches Interesse, als sie
imstande ist, das erschöpfend auszudrücken, was
der Maler aussprechen wollte. Sie ist aufs engste
verknüpft mit der Persönlichkeit des Künstlers und
jeder wahre Meister schafft sich seine Technik neu.
Die Kraft der Naturanschauung ist dem Verfasser
ein Wertmesser für das Bild. Nicht die virtuose
Mache, sondern der Geist des Bildes bedeutet seinen
Wert. Es ist in einer Zeit, wo man das Handwerksmäßige
der Malerei oft so stark in den Vordergrund
gestellt hat, ein wahrer Segen, daß eine Malerpersönlichkeit
von der Bedeutung Liebermanns ihre
Autorität für eine Verinnerlichung der Malerei in
die Wagschale wirft. Eine wichtige Rolle weist
Liebermann der Intuition und dem affektiven Faktor
der Phantasie zu; überraschend ist dagegen, wie
wenig er vom intellektuellen Faktor hält. Auch das

gehört zu dem Werte dieser Publikation, daß sie
mitunter zum Widerspruch herausfordert und damit
uns zwingt, diese ästhetischen Fragen von allen
Seiten her zu beleuchten. Am meisten wird dabei
die überwiegende Bedeutung befremden, die Liebermann
dem Unbewußten zuerteilt. „Der echte Künstler
", behauptet er, „gleicht dem Reiter über den
Bodensee: erst nach Vollendung des Werkes entdeckt
er voller Grauen die Schwierigkeiten, die zu
überwinden waren, und er würde sein Werk nicht
unternommen haben, wenn er sie vorher erkannt
hätte." Im Gegenteil. Wir glauben, daß der ernste
Künstler sich der Schwierigkeiten wohl bewußt
war und daß gerade der Kampf mit ihnen das
war, was ihn reizte und sein Interesse während
der Arbeit wachhielt. So wird man mitunter verwundert
den Kopf schütteln, aber man wird aus
der hübsch ausgestatteten Schrift, deren abgeklärte,
vornehme Sprache sehr wohltuend berührt, eine
Fülle wertvoller Anregungen gewinnen.

Dr. Michael Bif<kenbihl

GEORG SCHREYÖGG

RELIEF FÜR DIE NEUE AUSSTELLUNGSHALLE
IN KARLSRUHE

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