http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0140
anstatt eine neue künstlerische Form aufzustellen
. Die melodramatischen Bauern De-
freggers verzichten hier auf ihre Gastrolle im
Salon der Gebildeten und werden wieder aktuelles
unverkleidetes Volk. Sie sind hier, erst
recht natürlich in der späteren künstlerisch
finition erforderte Temperament. Schon das,
so dürfte ihm der Programmernst jener Tage
eingeredet haben, wäre eine Fälschung, und
so sehen wir denn erst später als die nächste
Vorstufe zur vollen künstlerischen Freiheit
Arbeiten von der Art jener strickenden Bäuerin
JOSEPH DAMBERGER
JUNGES MÄDCHEN
reifen Produktion Dambergers, ganz echt und
bei sich zu Hause. Eine zeitbedingte Note
von Wahrhaftigkeit und sozialem Mitleid verhindert
den Maler, auch nur im geringsten an
ihre arme und nüchterne Modellhaftigkeit zu
rühren, ja er sieht das bayerisch-schwäbische
Daseinswinkelchen, dem sein Interesse gilt
noch nicht durch das von der Zola'schen De-
vor gelblichem Abendhimmel, eine Kunst, die
schon anfängt im Sinne der entwicklungsgeschichtlichen
Moderne Malerei zu werden, die
sich zum mindesten durch ihr lyrisches Pathos
und den freieren Strich aus der naturalistischen
Sphäre in die realistische erhebt.
Den reifen Damberger nun finden wir großen
Vorbildern und mächtigen Zeiteinflüssen bei
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