Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 118
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JOSEPH DAMBERGER

BAUER KORN PUTZEND

ten Arbeiten, nicht was weiter oben als der
nachimpressionistischen Bildform verwandt
angesprochen worden, verzichtet keineswegs
auf eine Art von pointierender Intellektualität
der Komposition, die man wohl am besten
graphisch nennt, um sie recht deutlich von der
vorimpressionistischen, melodramatischen, in
wesenlosen Einzelheiten schwelgenden illustrativen
Note abzusetzen.

Dambergers Pinselführung nutzt wohl alle
Freiheiten des Impressionisten-Bekenntnisses
aus, indem sie die großzügige Statik der Massen
durch ein von Fall zu Fall wechselndes System
der Fleckenformen umrankt, aber diese reichhaltige
Ornamentik, dieser intime durchaus organische
Formenschatz der künstlerischen Niederschrift
ist nirgends jene billige und manierierte

Handschriftlichkeit, die mit der unnützen
Kühnheit ihrer Pinselhiebe,
mit der aufdringlichen Keckheit ihrer
Farbenschnörkel so ziemlich das
einzige ist, was sich unsere Effektmaler
aus dem Kanon des Impressionismus
angeeignet haben. Die
reizvollen Spiele der sicheren Hand
kommen bei Damberger immer erst
nach dem Ernste der keiner Geschicklichkeit
, keiner Pinselgymnastik
zugänglichen Seite der Malerei
. So ist bei ihm der Strich
kein Ersatzmittel, sondern eine aus
den Geheimnissen der Intuition geborene
Notwendigkeit.

Der Farbe Dambergers von Bild
zu Bild nachzugehen hätte ungemein
viel Anreizendes, verbietet
sich hier jedoch aus dem Grunde,
weil auch der technisch besten
Wiedergabe eines einzelnen Stückes
aus einer so überreichen Mannigfaltigkeit
nicht allzuviel Beweiskraft
innewohnt. Wohl aber kann über
den Charakter der Farbenaufgaben,
die der Künstler mit Vorliebe aufsucht
, im allgemeinen gesagt werden
, daß sie alle die geheime Schönheit
im Dürftigen, Mittellosen, Unansehnlichen
aussprechen, die
sublime blumenhaft flüchtige Sinnlichkeit
einer herben Asketennatur
fühlbar machen. Es sind Feldblumensträuße
, welche dieser zarte
Farbensinn windet, aber ihnen fehlt
der leuchtende Mohn und das
schmetternde Blau der Cyanen.
Frostverbrannte und regenverwaschene
Farben sind es, Farben
des Vorfrühlings, den Damberger
in der Mehrzahl seiner Werke feiert, Farben
von schüchterner Anmut, auf die nur selten das
zarte Gold einer schrägen gütigen Sonne fällt.

FRITZ BOEHLE f

Der Verlust, den die Frankfurter Kunst durch
den Tod Boehles erlitten hat, bedeutet für die
deutsche Kunst zugleich die Einbuße einer großen,
ursprünglichen Kraft, einer der stärksten Persönlichkeiten
, die ihr zurzeit gehörten. Außerhalb
aller Parteien in der Kunst stehend, in seiner Eigenart
keiner der großen Entwicklungsrichtungen sich
einfügend, ist er schließlich von allen anerkannt
worden als einer, der etwas ist und der etwas kann.

Boehle ist, obschon in Emmendingen geboren,
früh nach Frankfurt gekommen und völlig zum
Frankfurter geworden, auch in der Sprache die
Heimatnie verleugnend. Die Kunstschule des Städel-

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