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R. SCHRAMM-ZITTAU
HALALI
pressionismus. Er war überzeugt von der Kalt-
warm-Technik als dem alleinseligmachenden
Allheilmittel der Malerei. Auch ihm zerfloß die
Form unterm Pinsel, auch er berauschte sich
an den tausend tanzenden, hüpfenden, inein-
andergleitenden Farbflecken auf der Leinwand,
an diesen Zauberkünsten des Momentanen, an
diesem Festhalten des nur Geahnten, an dem
Spiel der optischen Reflexe. Als er aber zwischen
diese Arbeiten hinein auf seiner Hochzeitsreise
nach Neapel kam und dortim Museum
der Kleinbronzen die kostbaren Schöpfungen
der Antike sah, wurde er stutzig. Er fühlte
es instinktiv, daß er nicht auf dem ihm völlig
gemäßen Wege sei. Dieser Zweifel trat indes
nicht in einer Form auf, die Schramm sogleich
auf den rechten Weg gewiesen hätte. Er überfiel
ihn so stürmisch, daß er von Grund auf umzusatteln
entschlossen war. Er wollte Plastiker
werden. Es erging ihm, der sich zum Absoluten
in der Kunst bekennt mit jener kompromißfremden
Ausschließlichkeit, die ein Zeichen echter,
unter innerem Druck stehender Künstlerschaft
ist, wie seinerzeit Stauffer-Bern. Der schrieb
auch, als er in seiner überaus erfolgreichen
Tätigkeit (als Porträtradierer) der Meisterschaft
entgegenstrebte, höchst unzufrieden und sehnsuchtsvoll
an Peter Halm: „Die Kunst der
Malerei fängt erst da an, wo die Studie aufhört
. Wer zu einer Stimmung, die er ausdrücken
will, Farben notwendig hat, ist ein
Maler; wem die Form Ausdrucksmittel ist, der
muß Bildhauer werden, es hilft nichts. Entweder
oder." Mit der stürmischen Gewalt
des Entweder-Oder ergriffen die Gegensätze
des Formgefühls auch Schramm-Zittau. Es
war eine böse Zeit für ihn. Von dem Entschluß
, als Plastiker ganz von vorne anzufangen
, konnte ihn nur die allmählich aufdämmernde
Erkenntnis abbringen, daß es auch
innerhalb der Grenzen der Malerei möglich
sein müsse, das Problem der Form zu lösen
und daß das Wesen des malerischen Impressionismus
nicht notwendigerweise zur Zerstörung
aller Form führen müsse. Zwar bleibt
auch für die Folgezeit „die Intensivierung
dessen, was von außen als Reiz das Auge
trifft" — ein Begriff, der das Grundprogramm
des Impressionismus gibt — für Schramm die
Hauptsache, aber seine Gemälde sondern sich
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