http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0179
Ruhe und eine fast weihnachtliche Stimmung
umhüllt Menschen und Geschütz. Erfolgreich
hat sich der Künstler auch als Porträtist betätigt,
und es hat für seine Kunst einen tieferen Sinn,
daß gerade das Bildnis eines Musikers besonders
gut gelang: dieser Ferruccio Busoni
mit den feinnervigen schönen Händen ist ein
Glanzstück seiner Nadel (Abb. S. 141).
Opplers Leben ist schnell skizziert. Am
19. September 1867 in Hannover geboren, zog
er 1886 nach München, wo er mancherlei
Anregungen von Gysis und Loefftz in sich
aufnahm und in der Zeichenschule von Knirr
studierte. Nachdem er 1892 und 93 seine ersten
Ausstellungen gezeigt hatte, ging er nach England
, wo er die Schotten persönlich kennen lernte
und ein Bewunderer Whistlers wurde, dessen
Einfluß man aus den vornehmen, etwas dunklen
Bildnissen dieser Zeit deutlich herausfühlt.
Ein Ausflug nach Holland brachte den Künstler
nach Sluis, wo er von 1901 bis 1904 lebte
und besonders Interieur und Bildnis pflegte.
Eine entscheidende Wendung nahm seine Entwicklung
, als er sich 1905 in Berlin ansiedelte.
Im Kreise der Impressionisten, in der Nähe
Liebermanns, entdeckte Oppler seine hohe
impressionistische Begabung, die in Strandbildern
voll prickelnder Farbe ihre ersten Erfolge
erntete. Auf den Tennisplätzen, in den
Tanzlokalen Berlins, auf Straßen und Plätzen
beobachtete der Künstler nun das Spiel des
Lichtes und die Bewegung einzelner Gruppen
und wimmelnder Menschenmassen. Hier in
Berlin erst fing er an, sich systematisch mit den
Problemen der Graphik zu beschäftigen, deren
technische Seite Meister Struck ihm enthüllte.
Auf den verschiedensten Gebieten freier
Lebensäußerung hat sich Oppler erfolgreich
versucht. Tanz und Bewegung, Landschaft
und Bildnis hat er in den Bereich seines
Schaffens gezogen. Seine höchste Kunst aber
entfaltet er in den Blättern des Tanzes. In
Musik und Rhythmus liegt die Gefühlswelt
des Malers verankert und darum feiert er
hier seine höchsten Triumphe. In gewaltigem
Aufschwung reißt die Musik ihn empor in
hellere und glücklichere Gefilde. Der Geist
Nietzsches schaut uns einen Augenblick mit
rätselvollen Augen an, wenn der Künstler Erlösung
sucht in der Ekstase des Tanzes.
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