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BERNHARD PANKOK
DER LESER (1892)
künstlerische Persönlichkeit und den Umfang
seiner Begabung und Betätigung erst öffnete.
Man kannte und schätzte Pankok seit fast
zwei Jahrzehnten in weiten Kreisen als
Zeichner und Kunstgewerbler. Ein Wort
hierüber zu sagen, erscheint gerade an dieser
Stelle überflüssig. Aber, obwohl Konrad
Lange ihn wiederholt warmherzig als Maler
gepriesen, obwohl Wilhelm Schäfer (Rheinlande
1910) die Ueberzeugung bekundet hatte,
„daß ohne eine Malerei von Pankok auf die
Dauer keine moderne Galerie von Rang in
Deutschland auskommen wird", so war doch
bisher eigentlich für niemanden die Möglichkeit
geboten gewesen, sich über ihn als
Maler, und fügen wir sogleich hinzu, auch
als Radierer ein klares Gesamtbild zu verschaffen
. Pankok war auf dieser oder jener
Ausstellung mit diesem oder jenem Bild
vertreten gewesen, er hatte sich in der
Nationalgalerie zu Berlin, in den Gemäldegalerien
zu Schwerin und Stuttgart, in der
Kunsthalle zu Hamburg und im Landesmuseum
zu Münster einen Platz an der
Sonne errungen. Aber diese Einzelerscheinungen
verflüchtigten sich in der Menge
der übrigen Allzuvielen, und die Kunstkritik
wußte oft nicht, wie sie sich zu ihm stellen,
wo sie ihn unterbringen solle. Ja man kann
sagen, daß seine Malweise in ihrer seces-
sionistischen Umgebung nicht immer eine
gute Figur machte.
Das ist jetzt anders geworden. Wer das
Glück gehabt hat, die Münsteraner Ausstellung
zu sehen, und den farbenfreudigen
Glanz, der ihm dort im Hauptsaal entgegenstrahlte
, auf sich hat wirken lassen können,
der hat erfahren, daß Pankok ein Eigener
und ein wirklich Großer im Reiche der
Malerei ist. In diesem Sinne war die Ausstellung
, der sich im Mai eine zweite, in
Stuttgart, anschloß, für alle, auch für die
Veranstalter, eine Ueberraschung, und deshalb
erscheint es geboten, über sie hier zu
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