Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 168
(PDF, 137 MB)
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BERNHARD PANKOK

SELBSTBILDNIS (1915)

beim Grafen Linden (Stuttgart) sind glänzende
Meisterwerke der liebevollen, ins
kleinste dringenden und doch nie kleinlichen
Malkunst Pankoks. Und nun gar die Bildnisse
selbst! Wie vornehm wirkt Graf Linden
, wie dringt Konrad Haußmann mit seinen
klugen Augen tief in das Wesen der
Dinge ein, wie wird eine jede Persönlichkeit
klar erfaßt und gekennzeichnet! Auch
hier sind alle Einzelheiten, z. B. die wundervollen
Hände, bis ins feinste durchgearbeitet
, sogar das verschiedene Schwarz von
Rock und Weste wird deutlich abgestuft.
Aber auch hier nie eine ängstliche oder allzuzarte
Pinselführung, sondern diese Malerei
ist kräftig, fest geschlossen, ruhig, breit und
wuchtig. Keine zapplige Bewegtheit, keine
leidenschaftliche Erregung, keine nervöse
Ueberreiztheit.

In den letzten Jahren ist die Freude an
bunter Farbe immer stärker durchgebrochen,
ja diese alte Leidenschaft des Künstlers erringt
jetzt erst ihre höchste Durchbildung,

um ihre stärksten Triumphe zu
feiern. Freilich stehe ich mit dieser
Ansicht noch ziemlich allein.
Die Mehrzahl derer, die ich hörte,
lehnt die jüngsten Bildnisse ab
oder läßt sie nur bedingt gelten.
Freilich war es ein großes Wagnis
, den General der Infanterie
Dr. v. Blume — einen der geistig
bedeutendsten Erzieher unseres
Heeres — in dem vollen Schmuck
der alten preußischen Generals-
Uniform zu malen. Wie hatte
Böcklin gespottet über derartige
Versuche, die er als unkünstlerisch
empfand! Wie war Anton
von Werner an der Aufgabe gescheitert
! Vielleicht hat aber gerade
das scheinbar Unmögliche
unsern Meister gereizt. Ich habe
mich nach der ersten, fast zurückschreckenden
Ueberraschung an
dasBild gewöhnt, es immer lieber
gewonnen und kann nur sagen,
daß das grelle Blau, Rot, Grün,
Gold zu einer Symphonie von ungeheurer
Kraftund Harmonie vereinigt
ist. Am wenigsten gefällt
das Bildnis Graf Zeppelins. Der
kluge, kühne, wetterharte Mann
ist ganz im Freien gemalt, ganz
nach dem Leben. Das Weiß der
Mütze, das helle Blau des Luftfahrer
-Anzugs, das Grün des Hintergrundes
wirken etwas kreischend
und unharmonisch. Aber das Bild
ist echt, ist frisch, wird wegen seiner Unmittelbarkeit
die Zeiten überdauern und besonderen
Wert behalten. Ebenso überraschend
, ebenso kühn und doch wieder ganz
anders ist das Bildnis von Frau Pankok
(1915). Ob es Pankok gegeben ist, weibliche
Reize schmeichlerisch darzustellen, und ob
der Hintergrund dieses Bildes nicht zu sehr
ins Gelbliche übergeht, bleibe ununtersucht.
Aber herrlichere Farben-Zusammenklänge
als zwischen dem tiefgrünen Kleid, dem
buntgewirkten Gürtel, dem leuchtenden Blau
der Decke und dem zarten Rosa der Rosen
kann es kaum geben. Wir müssen schon auf
unsere altdeutschen Malereien zurückgreifen,
um Aehnliches zu finden. Wir wissen, daß
Pankok in jungen Jahren gern die altwestfälischen
Meister, besonders die Tom Rinks
studiert hat. Es ist, als ob ihre Farbenfreude
und Farbenkunst im späten Nachkömmling
neu erstanden wären.

Neben diesen großen feierlichen Bildnissen

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