http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0217
SEPP FRANK
DAS SELTSAME SCHIFF
gefaßte Vorgang abspielt. Hier Impression,
dort Expression, wenn dies Wort gegenüber
einem so exakt gezeichneten Blatte erlaubt ist.
Und für die stark dekorative Stilisierung, die
Frank manchen seiner Blätter gibt, ist der
Faust, der gewissermaßen als farbige Radierung
zu bezeichnen ist — wie ein Fanfarenstoß
wirkt der schmale Streifen rotgedruckten sichtbaren
Unterkleides — ebenfalls ein Musterbeispiel
. Von dem Faust existiert noch ein
späterer Zustand, der aber mit der Hinzufügung
von allerhand symbolischen Zeichen und Arabesken
, mit der Beigabe eines hinter der linken
Schulter des Mannes hervorlugenden Totenkopfes
den strengen, geschlossenen Eindruck
der ersten Redaktion nicht erreicht. Wie
immer oder doch meistens ist die Gestaltung
des ersten Phantasie-Einfalles die stärkere.
Gleich einem anderen „Fliegenden Holländer
" zieht das „Seltsame Schiff" seine stille
Bahn; unheimlich sind seine Passagiere nach
der Seite des Grausigen gesteigert; keine
harmlose Groteske wie in den alten Holzschnitten
zu des Sebastian Brant Fahrzeug breitet
sich hier aus; eine selten kraftvolle Charakterisierungskunst
läßt bei jedem der merkwürdigen
Passagiere die Art und Weise seines
psychischen Leidens von Gesicht und Gestus
ablesen. Trotz des peinlichen Inhalts des
Narrenschiffes wird man auch hier den schönen
dekorativen Wert des Blattes bewundern, den
ornamentalen Grundzug im Schaffen des Künstlers
feststellen können.
Als Niederschlag des gegenwärtigen großen
Ringens ist das stattliche Ausmaße aufweisende
Blatt: „Der vom Kriege singt" entstanden. Ein
geharnischter Ritter, der gesenkten Hauptes,
voll tiefen Nachdenkens in eine seltsame Harfe
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