Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 244
(PDF, 137 MB)
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rück, alles ist in eine Flut von unbestimmbaren
Lichtern gehüllt, aus denen einzelne
Stellen geheimnisvoll aufblitzen. Es ist mehr
ergreifende Stimmung, als festgefügte und
damit wohltuende Ordnung.

Das gleiche gilt von den genannten Radierungen
, wo auch die räumlichen Probleme
noch so interessant mitsprechen, so daß also
in dem Blatt der „Sägemühle" die Formen,
in „Bernau im Winter" die Verteilung von
Helldunkel im Raum betont erscheinen. Als
typisches Beispiel, wo Zeichnerisches und
Malerisches ineinander übergehen, könnte der
erste und zweite Zustand der Radierung von
„Christopherus I" bezeichnet werden.

Es ist eine bekannte Tatsache, daß in der
Thomaschen Kunst das Technische an sich
zurücktritt gegenüber dem, was Thoma damit
zu sagen hat. Das Technische bleibt ihm eben
nur Mittel zum Zweck. Gewiß gibt es heute
Steindrucke und Radierungen, die nach der
technischen Seite hin ungewöhnlich glättend
und geistvoll sind. Thomas grundehrliche
Blätter sind in ihrer Art im Technischen wie
im Inhaltlichen aber doch nicht zu übertreffen,
weil sie innerhalb der angestrebten Grenzen

Höchstleistungen darstellen. Sie bleiben immer
unmittelbar, wahrhaft, Ideale der Graphik.
Das Inhaltliche und Treuherzige der Thoma-
Blätter hat ihnen zunächst ihre Bedeutung
verschafft und wird sie ihnen für immer erhalten
. Aber die vollendete und doch ehrliche
Technik ist vielfach ganz übersehen worden.
Mancher geschultere Techniker gäbe aber,
wie ich weiß, viel darum, Blätter Thomascher
Art herstellen zu können. Ein Thomablatt
ist eben nicht nur ein graphisches Beispiel,
sondern in seiner Einheit von Persönlichkeit,
Inhalt und Technik ein echtes Kunstwerk,
also ein quellender Born der Erfrischung und
Erhebung.

Ein Bildnis wie das der 88jährigen Mutter
ist mehr wie ein Porträt: es ist die volksmäßig
erzählte Geschichte eines an Sorge und
Arbeit reichen und in Gottvertrauen und Güte
am Endziel gesegneten Lebens, dem Blüten
des Daseins noch in die verlöschenden Augen
winken. Der „Flötenspieler" (Am Abend) ist
mehr als eine Aktzeichnung in landschaftlicher
Umgebung. Es ist die von Musik und Ruhe gesättigte
Stimmung eines in Harmonie mit der
Natur glückvollen Tages. Ein „Talhüter" ist

HANS THOMA BERNAU 1859 (RADIERUNG. 1915)

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