Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 261
(PDF, 137 MB)
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Schicksal mit so manchem andern Begabten
der Jüngeren — finden sich alle die Elemente
zu einem großen, monumentalen Stil, als die
Berücksichtigung nur des Wesentlichen, die
Abstrahierung des Unbedeutenden, die Vereinfachung
der Form- und Farbsprache. Und
diese Leitsätze werden in einer persönlichen,
selbständigen Verarbeitung geboten, ohne jenes
peinliche Abschreiben von dem Begründer
unserer monumentalen Malerei. Die Beziehungen
zu Hodler beschränken sich anscheinend
auf den gleichen Ausgangspunkt,
auf das künstlerische Erlebnis vor jenen Fresken
Giottos, die den Anbruch einer neuen
Zeit verkünden. Hüthers „Requiem aeternam",
ein Mönchsbegräbnis, das heute im Besitze
der Münchner Pinakothek ist, macht die Zusammenhänge
vielleicht am deutlichsten offenbar
, enthüllt aber auch die Selbständigkeit
des Modernen, seine veränderte Auffassung,
wenn man es mit Giottos Wandbild in St. Croce
zu Florenz, der „Beweinung des hl. Franz"
vergleicht. Schlichtes, einfaches Empfinden ist
beiden Werken gemeinsam; bei dem modernen
ist vielleicht der Ausdruck der Trauer noch
um einige Nuancen gedämpft. Anders aber
stehen die Figuren im Räume; bei Giotto eine
Entfaltung des Vorgangs in die Breite, die

strengen Horizontal- und Vertikallinien durch
zahlreiche, schräg geführte Ueberschneidungen
gemildert; in dem jüngeren Bilde herrscht
eine Tiefenwirkung vor, ein Streben in den
Raum hinein durch die Diagonalstellung der
Figuren; die Vertikalen überwiegen, es überwiegt
die energische Betonung der Stützen
und gibt dem Bilde etwas prachtvoll Gefestigtes
, Ruhe und Kraft und eine Geschlossenheit
, die auf alle Begrenzung des Raumes
verzichten kann. Die Liniensprache ist nicht
so wohlgerundet, sie hat etwas Herbes, Kerniges
, in der Faltengebung Nervöses. Auf die
prächtig charakterisierten und differenzierten
Gesichter mit ihrem mannigfach abgestuften
Ausdruck der Trauer hinzuweisen, erübrigt
sich (Abb. Jahrg. 1914/15, S. 4?3).

Noch öfter hat sich Hüther mit biblischen
Themen beschäftigt. Auf dem Bilde der „Susanna
im Bade" ist kein dramatisches Geschehen
, kein wildbewegtes Durcheinander von
menschlichen Leibern gegeben, die drei Gestalten
bauen sich in der Lotrechten, gemäßigt
in der Bewegung, fast als Stilleben
auf. In der Komposition klingt eine parallelsymmetrische
Anordnung durch; gegenüber
dem wahllos Zupackenden früherer Anschauung
eine geregelte, gesetzmäßige, kurz archi-

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