Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 270
(PDF, 137 MB)
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ALBERT WELTI DER KÜNSTLER UND DIE UNWILLKOMMENEN
BESUCHER (FEDERZEICHNUNG)

ALBERT WELTI NACH SEINEN BRIEFEN

Von Dr. j. A. Beringer

Als der 50jährige Albert Welti 1912 starb,
l war sein Scharren den wenigsten in seinem
ganzen Umfang voll bekannt. Die Nachlaßausstellung
im Kunsthaus zu Zürich offenbarte
erst den ganzen Reichtum und die Eigenart
seiner Natur und bekundete mit größter Eindringlichkeit
, was für einen einzigartigen Künstler
Zürich, die Schweiz und die deutsche
Kunst an ihm verloren und was diese drei
wieder an einem der Besten noch gut zu
machen hatten.

Seitdem ist kein Jahr vergangen, in dem
nicht irgend eine größere literarische Veröffentlichung
über Welti und sein Schaffen erschienen
wäre. So gut die einzelnen Schriften
auch sein mögen, sie sind eben doch nur Abstraktionen
über seine Werke, Begleitnoten zu
seinem Leben. Nun beginnt Welti selbst zu
sprechen in seinen Briefen.*) Damit offenbart
sich, wie wenn vor einer Bühne der Vorhang
weggezogen wird, auf einmal das Schauspiel
eines Künstlerlebens in all seinem wogenden
Auf und Ab, seinem Ringen, Hoffen, Enttäuschtsein
und Siegen, seiner durch angeborenes
Schicksal bestimmten Festigkeit des Zieles und
seiner durch gemütliche Empfindsamkeit und
seelische Reizbarkeit bedingten Abbiegungen
vom Hauptweg, in all seinem innerlichen Glück
und all seiner Tragik.

"Wie wunderbar ergänzen Weltis Briefe sein
Menschen- und Künstlertum, wie es seinen
Freunden bekannt und teuer war; wie wächst
ihnen Welti, ein Ganzer und Einziger, auch
im Grab noch wieder teuer ans Herz als ein
köstliches Erlebnis.

•) Briefe Albert Weltis. Eingeleitet und herausgegeben von
Adolf Frey. 1916. Verlag von Rascher & Cie. in Zürich und Leipzig.
Diese Briefausgabe umfaßt nur einen Teil des Weltischen Briefwechsels
: den mit Schweizer Freunden. Es fehlen somit wichtige
Teile: die Briefe an R o s e - Doehlau, Kreidolf, Beringer u.a.
— Siehe auch unsere Aufsätze über Welti im Dezemberheft 1909,
Januarheft 1914 und Aprilheft 1915.

Wer das Glück hatte, mit Welti zu verkehren,
war gewiß vom ersten Zusammensein an überwältigt
von der Unmittelbarkeit und Echtheit
seines Wesens. So weltungewandt, schweigsam,
zurückhaltend, ja zaghaft und scheu er sich
zuerst geben mochte, so konnte doch ein seinem
Denken und Fühlen verwandtes Wort ihn aufschließen
, und er konnte Menschen, Dinge und
Kunst mit erstaunlicher Treffsicherheit des
Ausdrucks beleuchten, wobei er aber immer
die strengste Unparteilichkeit und Unvorein-
genommenheit bewies.

Welti war nie in glänzenden Lebensverhältnissen
. Brotarbeiten mußten auch von ihm
geleistet werden. Aber eher stand er zurück
und empfahl seine in ähnlicher Lage sich befindenden
Freunde,z.B. Itschner oderSchaupp,
als daß er etwas übernommen hätte, was er
nicht vollauf leisten konnte. Von den Künstlerfreunden
stehen ihm ganz besonders der Radierer
Emil Anner nahe, aber noch mehr der
ihm künstlerisch ähnlich geartete und doch
ganz andere Wege beschreitende Ernst Kreidolf,
für dessen Schöpfungen er die bewunderndste
Anerkennung hat. Er rechnete diesen fast noch
völlig unbekannten Meister der Märchenwelt,
der Landschaft und des Porträts zu den größten,
zeitgenössischen Künstlern und sah mit Gram,
wie spekulative Köpfe ihr Geld an gemalte
Nichtigkeiten vertaten, jedoch an dem Zauber
der Kreidolfschen Welt verständnislos vorbeigingen
.

Im Künstlerischen aber war sein nächster
Freund W. Balmer. Welti hielt trotz aller Anfeindungen
und Gegenminen an diesem Blutsfreund
fest und hinterließ ihm, von dem er
wußte, daß er ihn verstand, und der mit ihm
die Vorarbeiten gemacht hatte, das Krönungswerk
seines Lebens zur Fertigstellung. Es ist
angezeigt, gegenüber den Herabwertungen und

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