Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 288
(PDF, 137 MB)
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regatta" den momentanen Reiz lebhaft bewegter
Massen festhalten oder die Wirkungen des
künstlichen Lichtes auf einem „Ball" wiedergeben
; alle Bilder aber bewahren in Ton und
Farbe einen festen Zusammenhalt und den
feinen Geschmack. Gleichzeitig setzt aber
auch, durch ausgedehnte Reisen nach Italien
begünstigt, die Abwandlung zu jenem letzten,
feinsten Stil ein, der so sehr geschätzt und gesucht
ist.

Welches sind nun die Elemente, aus denen
sich dieser neue Stil zusammensetzt? Man hat
oft von Imitation der Quattrocentisten, von
Uebernahme der frühflorentiner Kompositionsund
Malweise gesprochen. Es ist damit nicht
so sehr weit her, von einzelnen Bildern abgesehen
. Daß die Malweise das handwerklich
Gediegene, die technische Sicherheit der
alten Meister zur Grundlage hat, müßte in
unserer Zeit, die eine solide Grundlage weit
über alle Maßen vernachlässigt und sogar gering
schätzt, doch ein ganz besonderer Vor-

friedrich stahl

zug sein, der nicht hoch genug zu bewerten
ist. Das Kolorit selbst aber hat gar nichts
zu tun mit den alten Meistern. Gegenüber
der präzisen und klaren Verdeutlichung der
Lokalfarbe, die manchmal an Härte grenzt,
wie sie das Quattrocento liebte, ist Stahls koloristische
Behandlung eine rein malerische,
gehalten im Ton, weich und gedämpft; nur
einzelne kräftigere Akzente leuchten gleich
köstlichen Juwelen aus der gebundenen Dunkelheit
. Anklänge an die Kompositionsweise finden
sich wohl vereinzelt vor; wer dächte nicht
bei der „Erwartung", jener Gruppe elegant
gekleideter Mädchen an Ghirlandajo und seine
Fresken in S. Maria Novella, in denen die
heiligen Geschichten auch dazu dienen, die
vornehmen Florentinerinnen aus den Tagen und
dem Hause der Medici im Bilde festzuhalten.
Aber auch hier wie bei dem „Triumph des
Eros" (Abb. S. 286) handelt es sich mehr um den
Geist der alten Zeit, der hier in moderne Malweise
transponiert wird, als um direkte Beeinflussung
, mehr um ein Hereinnehmen
des alten malerischen
Kostüms und der formalen
Schönheit jener Tage, jener
Frauen mit der hohen Stirn,
der fronte superba des Poli-
giano und dem zurückgekämmten
Haar, den breiten, etwas
derben Gesichtern, der etwas
herben, eckigen Schönheit des
jugendlichen Körpers.

Daneben aber kommt die
stattliche Reihe von Bildern in
Betracht, bei denen der Künstler
ganz aus dem Eigenen schöpft,
den Reichtum seiner Phantasie,
die Kraft und Tiefe seiner Anschauung
enthüllt. In der „Hoffnung
" (Abb. geg. S. 281) wird
so ein kleiner Ausschnitt Menschenloses
und -leides in die
Sphäre des Ewigen, Immergeltenden
erhoben. Im Vordergrunde
das alte, von Sorgen und
Arbeit zermürbte Paar mit dem
frischen, derben Kinde des Mädchens
, das verlassen, verzweifelt
an einem Portikus kniet,
während sein Ritter an der Hand
der Glücksgöttin in blaudämmernde
Fernen hinauszieht,
neuen Abenteuern entgegen.
Ein uraltes Thema in symbolischer
Fassung und dadurch
weit ergreifender, als wenn aus
petri heil holländischen Fischerstuben

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