Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 289
(PDF, 137 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0329
oderschlesischen Bauernhütten
ein einzelnes
Ereignis aufgedeckt
wird. Oder bedeutet
die lustige Fassung des
Motivs von „ Adam und
Eva" — Stahl hat neben
dieser noch eine
weitere,mehr tragisch
gehaltene, gegeben, —
mit der jungen, leichtbekleideten
Schönen,
die herrisch, überlegen
ihrem Ritter den Apfel
reicht, in den dieser
mit verliebtem Blick
und süßsaurer Miene
hineinbeißt, nicht eine
hervorragende künstlerische
Abwandlung
eines alten philosophischen
Gedankens? Die
weitere Fassung dagegen
hat den Vorgang
des Sündenfalles trotz
des glänzenden Aufgebots
an dekorativ
wirkender Tierwelt
mehr in eine düsterschwermütige
Auffassung
gerückt; sehr
wohl fühlen sich diese
ersten Menschen nicht
bei ihrer Ueberschrei-
tung des göttlichen
Gebotes. Und diese
etwas schwermütige
Stimmung, die auffallend
mit der Eleganz
der Linien, namentlich
in Evas Gestalt und der
Heiterkeit des rechts
sichtbaren kleinen
Landschaftsausschnitts
kontrastiert, läßt das
Bild als besonders
wertvolle Schöpfung erscheinen
(Abb. S.285).
Die „Herodias" (Abb.
S. 291), die in leichten
Schleiern vor derTafel-
runde ihres Stiefvaters
tanzt, indessen die

Hunde das Haupt des Heiligen am Boden beschnuppern
, gibt dem Maler Gelegenheit, sich
auszuleben in dem Schillern kostbarer Stoffe,
in dem Funkeln wertvoller Prunkgefäße, in dem
Geglitzer gleißender Edelsteine. In die leicht

FRIEDRICH STAHL

gewellten Hügel Toskanas
ist die asketischhagere
Gestalt des
„Täufers«(Abb.S.287)
hineingestellt mit dem
zahlreichen Zulauf des
Volkes, das hier scharf
kontrastiert gegenein-
andergestelltist. Links
die Masse des herzuströmenden
gläubigen
Volkes, voll Ueberzeu-
gung und Andacht in
tiefer Ergriffenheit
sich dem Taufakte
unterwerfend, rechts
die eleganten Schönen
mit ihren vornehmen
Begleitern, herausgekommen
,sich dasneue
Schauspiel anzusehen
unddie neue Modemitzumachen
. Hier ist die
Kraft der Charakterschilderung
, der Veranschaulichung
inneren
Lebens in den einzelnen
Köpfen bewundernswert
. Ein Glanzstück
der Kunst des
Meisters ist wohl der
hl. Sebastian (Abbild.
S. 282), dieses Lieblingsthema
der Renaissance
und der Gegenwart
; in weicher,
delikater Malerei ist
der hellbraune Akt in
die weite Schneelandschaft
hineingestellt,
mit ihr zu einem ruhevollen
, harmonischen
Ganzen verfließend.

Es ist unmöglich,
alle die Motive herzuzählen
, die Stahl mit
seiner reichen Phantasie
beseelt hat, die
Verkörperung himmlischer
Inspiration in
der„Hl.Cäcilie"(Abb.
S. 283), das Erwachen
aus dumpfer innerer
Verworrenheit bei dem Knaben „Parzival",
einem Bild von seltener Schönheit im Kontraste
des hellen Aktes zu der tiefdunkelgrünen
Laubkulisse, die Schilderungen aus dem
Kreise fröhlicher Herren und Damen der alt-

PARZ1VAL

Die Kunst für Alle XXXII.

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