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PETER v. CORNELIUS AUS DEN FAUST-ILLUSTRATIONEN. FAUST UND GRETCHEN
stube, und aus den ersten Sätzen des Monologs
kam die Anregung zu einer keck und stolz
aufgebauten Allegorie von Jurisprudenz und
Medizin, Philosophie und Theologie. Ein an
das geniale Geschnörkel der Handzeichnungen
in Kaiser Maximilians Gebetbuch gemahnendes
, phantastisches Rankenwerk faßt die verschiedenen
, glücklich ineinander verzahnten
Gruppen zu einer schönen Gesamtheit zusammen
. Es folgt das Widmungsblatt, das als
Kopfleiste die witzige Ausdeutung des „Vorspiels
auf dem Theater" bringt und eine bescheidene
Widmung an Goethe. Es heißt darin:
„Wenn auch jede wahre Kunst nie ihre Wirkung
auf unverdorbene Gemüther verliert, und
die Werke einer großen Vergangenheit uns
mächtig in die damahlige Denck- und Empfindungsweise
hineinziehen, so sind doch die
Wirkungen einer gleichzeitigen Kunst noch
ungleich größer und lebendiger; und ganze
Völker, ja ganze Zeitalter sind oft von den
Werken eines einzelnen großen Menschen begeistert
worden. Wie Ihro Excellenz auf Ihre
Zeit und besonders auf Ihre Nation gewirkt
haben, ist davon der sprechendste Beweis.
Möchten sie unter jenen tausend Stimmen der
Liebe und Bewunderung, die sich dankbar zu
Ihnen drängen, die meinige nicht ganz überhören
und diesem geringen Werke, als einem
schwachen Wiederscheine Ihrer lebendigen
Schöpfungen, eine kleine Stelle in Ihrem Andenken
so lange gönnen, bis ein Würdigerer
kommt, dermitgrößererKunstund mithöherem,
reichbegabterem Geiste, das wirklich vollführt,
Die Kunst für Alle XXXII.
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