Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 391
(PDF, 137 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0441
vertretenden Generalstabes, FiNETTl, den man mehr
aus Witzblättern kannte, einen Zyklus von Radierungen
„Carmen", die sein Talent von einer neuen
Seite zeigen ... es würde zu weit führen, wollte
man nur die wichtigsten anführen. Draufgänger
wie Gerson, Kohlhoff, Krauskopf, Waske, stille
Beobachter wie Paeschke, Scholtz, Struck, Krayn,
alle sind sie vertreten und einen bisher ganz Unbekannten
hat diese Ausstellung sogar entdeckt:
es ist dies jacob steinhardt, irgendwo aus einem
östlichen Ghetto, der die ganze Inbrunst und Leidenschaft
seiner Umgebung in einer durchaus eigenen
Bleistifttechnik zu Papier zu bringen versteht und
dessen sämtliche Blätter in kurzer Zeit ausverkauft
wurden. Sähe man in ihnen nicht die alttestamentarisch
verzückten Judengesichter, sähe nicht die
Verwüstungen des Krieges, die an unsere Zeit
gemahnen, dann könnte man sich veranlaßt fühlen,
an eine späte Nachfolge der gotischen Holzschnitzer
zu denken, so zerfurcht und durchempfunden sind
die Gesichter seiner betenden Greise und Weiber.
Die Plastik ist diesmal nicht so stark wie sonst
vertreten. Einige Namen sind zu nennen: Metzners
„Inferno" zeigt die monumentale Wucht seiner
Schöpfungen in einer eigenartigen Verkrampfung
des weiblichen Torso, Müllers Bildnisköpfe zeichnet
feine Beobachtung aus, wencks „Deutsche Volkskraft
" verdiente groß ausgeführt zu werden und
leschnitzers Bildnis von Corinth veranschaulicht
klar die quellende Kraft und sinnliche Empfindung
dieses an Bismarck erinnernden Kopfes.

Die Kriegsbilder-Ausstellung der Kgl. Akademie
der Künste wurde durch den Erfolg der Vorjahre
veranlaßt, doch ist dazu zu bemerken, daß eben
diese Tatsache eine gewisse Ermüdung und Abspannung
bewirkt. Man hätte billig in Betracht
ziehen sollen, daß diese Veranstaltungen durchaus
nicht die einzigen sind, daß im Gegenteil fast jeder

Kunstsalon, jede Ausstellung Hunderte solcher
Bilder oft gezeigt hat, von Spezialausstellungen —
wie etwa die von Osthaus veranstaltete — nicht
zu reden, oder gar den Tausenden von Illustrationen
, die tagein tagaus die illustrierten Zeitungen
überschwemmen. Trotzdem wäre es wohl gewagt,
von einem Sättigungszustand zu sprechen; nur
müßte darin eben eine Differenzierung Platz greifen,
man müßte vielleicht mit neuen Ideen kommen,
vielleicht neuen Namen zur Geltung verhelfen. Es
ist aber schwer zu verlangen, daß großes Interesse
für die nun sattsam bekannten Bilder von Vogel,
Reusing, Fehr, Rhein, Erler vorhanden sei. Auch
hier jedoch sind Ausnahmen zu verzeichnen: dett-
mann tritt mit einer Folge von neuen Zeichnungen
auf, die die früheren nicht nur an Umfang, sondern
vor allem in dem bildhaften Durchdringen des
Themas, in der erschütternden Intensität des Ausdrucks
überragen. Wenn sie auch im letzten Saal
ein stilles Dasein führen, sind sie doch wohl der
Höhepunkt dieser Ausstellung. spiegels Köpfe von
bayerischen Soldaten sind in der knappen Kürze
ihrer Fassung klassische Formulierungen dieser
unvergeßlichen Gestalten und die Nationalgalerie
ist durchaus zu beglückwünschen, daß sie sie einfach
alle angekauft hat. In den österreichischen
Abteilungen fallen die farbenfreudigen Studien von
Jarockis und Pautschs auf; Laske dagegen ist,
trotz der originellen Auffassung des Kriegsgeländes
mit Kämpfenden, nicht so sehr als Maler, denn als
gewissenhafter Chronist des Krieges anzusehen.
In diesem Zusammenhang sei schließlich der Ausstellung
„Die Türkei im Kriege" bei Schulte Erwähnung
getan, die meistens Bildnisse hervorragender
türkischer Heerführer von krausz vereinigt
, der mit großer Gewandtheit die einzelnen
Persönlichkeiten zu charakterisieren versteht.

J. Beth

p. scheurich <S> kinderköpfchen

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