Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 408
(PDF, 137 MB)
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0462
MAX LI EBERMANN

Mit Genehmigung von Paul Cassirer, Berlin

WÄSCHETROCKNEN

Diese Zuverlässigkeit, durch die Liebermann
in den Rang und Ruf eines der besten Por-
trätisten gekommen ist, darf auch als ein gutes
Berliner Erbteil gelten, obschon die Malweise
viel Internationales hat, besonders in dem offenkundigen
Bestreben, daß das Bildnis nicht nur
so ähnlich wie möglich, sondern auch ein
Stück guter geschmackvoller Malerei sein solle.
Liebermann ist ja vielleicht der erste gewesen,
der in Deutschland als ein wirklicher Herr
über das Technische seiner Kunst sich daran
gefreut, einen gewissenhaften fast bürgerlichen
Stolz darein gesetzt hat, daß er dem technischen
Teil der Malerei eine künstlerische
Haltung gebe. Als ich vor ein paar Jahren
in der uns bereits zur Sage gewordenen guten
alten Zeit vor dem Krieg mit ihm wieder mal
durch sein geliebtes Amsterdam ging und er
mir voll eifrigen Interesses die Neubauten und
an ihnen die fein bewahrte Tradition zeigte,
kam er von dieser rührigen Gegenwartskunst
durch einen naheliegenden Gedanken auf sich
zu sprechen. „Nun, wenn ich mal tot bin und
wenn man dann anders malt als ich, wird man
mir doch nachsagen dürfen, daß ich den Jungen
den Weg offen gehalten habe." Schöneres und
Ehrenvolleres wird von dem verehrten Jubilar
niemand sagen können.

GEDANKEN ÜBER KUNST

Dem Künstler schwebt ein Bild vor wie ein
Traumbild, hell in allen wesentlichen Zügen und
doch noch schwebend, unbestimmt in Umrissen.
Er sucht und sucht, ringt und ringt, er reibt, wie
man reibt, um einen verdunkelten Firnis zu entfernen
, der über einem Gemälde liegt; endlich gelingt
es der sauren Mühe, herauszuarbeiten, was
ganz frisch, ganz leicht, ganz ein Guß und Fluß,
aus eigener Tiefe, von Anfang an vor der Seele
stand. F. Th. Vischer

Die Kunst soll vor allem und zuerst das Leben
verschönern. Sodann soll die Kunst alles Häßliche
verbergen oder umdeuten . . . Nach dieser großen,
ja übergroßen Aufgabe der Kunst ist die sogenannte
eigentliche Kunst, die der Kunstwerke, nur ein Anhängsel
. Ein Mensch, der einen Ueberfluß von
solchen verschönernden, verbergenden und umdeutenden
Kräften in sich fühlt, wird sich zuletzt noch
in Kunstwerken dieses Ueberflusses zu entladen
suchen; ebenso, unter besonderen Umständen, ein
ganzes Volk. Aber gewöhnlich fängt man jetzt
die Kunst am Ende an, hängt sich an ihren Schweif
und meint, die Kunst der Kunstwerke sei das
Eigentliche, von ihr aus solle das Leben verbessert
und umgewandelt werden — wir Toren!

Nietzsche

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