Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 418
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http://dl.ub.uni-freiburg.de/diglit/die_kunst_35_1917/0474
DAS PROBLEM DER DARSTELLUNG

Von Max Raphael

Wenn man, um die Kunst geistig in ein
Ganzes einzuordnen, der Kraft nachspürt
, die ihre Werke formt und sie dann auf
kunstfremdesten Gebieten findet, so läßt man
sich leicht verleiten, in der Anlage zum Schaffen
die volle Realität zu sehen und das Streben,
im besten Falle das bloße bestimmt gerichtete
Tun für die vollkommene künstlerische Wirklichkeit
zu nehmen. Die letzte Konsequenz aus
diesem Standpunkt hat Nietzsche gezogen.
„Die Kunst soll vor allem und zuerst das Leben
verschönern . . . Sodann soll die Kunst alles
Häßliche verbergen oder umdeuten . . . Nach
dieser großen, ja übergroßen Aufgabe der Kunst
ist die sogenannte eigentliche Kunst, die der
Kunstwerke, nur ein Anhängsel. Ein Mensch,
der einen Ueberschuß von solchen verschönernden
, verbergenden und umdeutenden Kräften
in sich fühlt, wird sich zuletzt noch in
Kunstwerken dieses Ueberflusses zu entladen
suchen; ebenso unter besonderen Umständen
ein ganzes Volk. Aber gewöhnlich fängt man
jetzt die Kunst am Ende an, hängt sich an
ihren Schweif und meint, die Kunst der Kunstwerke
sei das Eigentliche, von ihr aus sollte
das Leben verbessert und umgewandelt werden
— wir Toren. (Menschliches, Allzumenschliches
). " Aber es ist offenbar, daß dieses extreme
Paradoxon nicht nur mit der „Kunst der
Kunstwerke", sondern mit dem schöpferischen
Tun überhaupt erkauft ist. Denn die Kunst
ist nicht mehr ein Schaffen, sondern ein Um-
schaffen, kein Zeugen, sondern Spiegeln, nicht
Darstellen, sondern Ausbessern. Sobald man
aber die Kunst schaffende Kraft, bei ihrem
rechten Namen: Produktivität nennt, kann man

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