Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 426
(PDF, 137 MB)
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WALTER TEUTSCH

DIE LANDSCHAFT MIT DER LINDE

Ausstellung der Münchner Neuen Secession

den Besonnenen abgestoßen werden, ja sie
sind im Bilde der Gesamtheit als wirkungsvolle
Kontraste und als charakteristische Ver-
irrungen nicht ohne Bedeutung und Geltung.

Trotzdem möchte ich mich mehr an die positiven
Erscheinungen halten und sie mit einigen
Worten zu kennzeichnen versuchen. Karl
Caspars religiöse Malereien sind über die
Bezwingung des Formalen und Koloristischen
hinaus starke Bekenntnisse zu einer vertieften
Auffassung christlicher Probleme. Die heiligen
Geschichten sind hier — ähnlich und doch
auch wieder anders wie einst in Uhdes Neueinkleidung
der testamentarischen Begebenheiten
— in zeitgenössische Beleuchtung gerückt
, der heiße, rasche Atem der Gegenwart
ist in ihnen, ohne daß ihnen der primitive
Reiz völlig genommen wäre, der etwa die
holdselig-naiven Darstellungen biblischer Geschichten
durch die alten oberdeutschen Maler
auszeichnet. Trotzdem ist es nicht eine erklügelte
und fein ersonnene Mischung von
Elementen, sondern das strömt mit zwingender
Kraft aus einem Temperament, dem man es
gerne zugute hält, wenn es einmal über das
Ziel hinausschießt. Manchem will es scheinen,
das sei diesmal bei dem großen, in der Art
eines Altarwerks gehaltenen Triptychon „Passion
" der Fall, das im Mittelbild eine Pietä
und in den mehrfach unterteilten Flügeln in

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