Augustinermuseum Freiburg i. Br., [ohne Signatur]
Die Kunst: Monatshefte für freie und angewandte Kunst
München, 35. Band.1917
Seite: 431
(PDF, 137 MB)
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oskar coester

Aasstellung der Münchner Neuen Secession

abendlandschaft

Art der Kreuzweg-Bilder die Stationen von
Christi Leidensweg zum Gegenstand hat. Auf
alle Fälle kommt hier eine starke musivische,
auf den Rhythmus der Farbe eingestellte Wirkung
zustande, die besonders dann am Platze
wäre, wenn man es mit dem Entwurf zu einem
Glasgemälde zu tun hätte. Als Tafelbilder sind
„Johannes auf Patmos" mit dem stürmischen
Rot in der farbigen Gesamthaltung und die
„Jordan-Taufe" (Abb. S. 42") unbedingt als
geschlossener und gerechter anzusehen. Maria
Caspar-Filser ist im Letzten malerischer als
ihr Gatte und mehr auf Ausdruck als auf Empfindung
eingestellt. Rein koloristisch ist ihr
Blumenstilleben neben den Arbeiten Lichtenbergers
einer der stärksten sinnlichen Eindrücke
, die man von der Ausstellung mitnimmt
, die „Obsternte" (Abb. S. 430), ein
Motiv, das die Künstlerin seiner rhythmischen
und atmosphärischen Möglichkeiten wegen
schon des öfteren behandelt hat, ist in einer
neuen Variante in die Art farbiger Stilisierungen
, die wir an einem echten Fresko schätzen,
hineingewachsen. Auch das andere Künstlerehepaar
der Neuen Secession, Gustav Jagers-
pacher und Helene Jagerspacher-Häf-

liger, ist mit feinen Werken vertreten. Gustav
Jagerspachers Akte werden immer delikater
und vornehmer im Kolorit. Das Inkarnat, ganz
entsinnlicht, leuchtet oft auf wie seltene Edelsteine
. Die räumliche Anordnung von Jagerspachers
Bildern, die Eröffnung stimmungsvoller
Perspektiven in landschaftliche Fernen,
gemahnt, in den Geist unserer Zeit übersetzt,
an Giorgione. Vollendet im farbigen Aufbau
und nobel in der Charakteristik ist das Bildnis
des Herrn Arbini; für mich bedeutet es
den Typus eines repräsentativen Herrenbildnisses
mit den künstlerischen Mitteln der jungen
Malerei (Abb. geg. S. 424 u. S. 429). Helene
Jagerspacher ist bei ihrem kleinen Bildchen
scherzhaft geworden in Motiv und Technik. Sie
versetzt uns in das Atelier ihres Gatten und
stellt ihn dar, wie er an einem seiner berühmten
liegenden Akte malt; der Witz der kleinen
Arbeit ist, daß sie von Gustav Jagerspachers
Palette heruntergestohlen erscheint.

Julius Hess, den wir längst als Meister
des Stillebens kennen, der gern vor beinschwarzen
Hintergründen starkfarbige Ensembles
von exotischer Buntheit zu malerischen
Einheiten zusammenzwingt, hat nach längerer

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