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NEUE KUNSTLITERATUR
Schwarz, Karl. Das graphische Werk von
Lovis Corinth. Gebd. M 35.—. Berlin, Fritz Gurlitt.
Daß in den letzten Jahren eine ziemlich stattliche
Reihe von Oeuvre-Katalogen bekannter Graphiker
herausgekommen ist, ist als erfreuliches Zeichen
für das neuerwachte Interesse und Verständnis an
den Werken der Graphik begrüßenswert, namentlich
nachdem diesem Interesse schon wieder ein
rasches Ende prophezeit worden war. Die vorliegende
ausgezeichnete Arbeit von Schwarz ist
aber auch noch speziell dadurch sehr verdienstlich
, als durch sie das umfangreiche Werk von Lovis
Corinth doch mehr bekannt und gewürdigt werden
wird, als dies bisher der Fall war; waren doch
nur die von der Panpresse gedruckten zyklischen
Werke, wie das Buch Judith und das Hohe Lied
weiteren Kreisen als spezielle Vertreter Corinth-
scher Graphik geläufig, während die stattliche Reihe
der Akte, Genredarstellungen und Köpfe — der
Katalog zählt insgesamt 246 Nummern auf —
weniger an die Oeffentlichkeit getreten war, obwohl
gerade der Umstand, daß es sich häufig um graphische
Wiedergaben bekannter Werke des Künstlers
handelte, ihnen weitere Verbreitung hätte verschaffen
sollen. Die große Anzahl von Illustrationen —
fast 130 auf 32 Tafeln — nach diesen feinen Arbeiten
vermag den Originalen sicherlich neue
Freunde und Bewunderer zu schaffen. Dem eigentlichen
, mit großem Fleiß und eingehender Sorgfalt
in der Aufzählung der einzelnen Zustände geschaffenen
Kataloge geht eine Würdigung der Bedeutung
des Künstlers für Radierung und Lithographie
voraus, die mit Recht die souveräne Beherrschung
der künstlerischen Mittel, die Vielseitigkeitund Freiheit
des Schaffens betont. Auch das chronologische
und das systematische Verzeichnis der einzelnen
Blätter bedeutet eine erfreuliche Bereicherung des
vornehm ausgestatteten Werkes. Dr. w. b.
Klein-Diepold, Rudolf. Das deutsche
Kunstproblem der Gegenwart. Gebd.Ml.50.
Berlin, B. Behrs Verlag, Friedr. Feddersen.
Mit guten geschichtlichen und künstlerischen
Waffen verteidigt der Verfasser tapfer und gewandt
deutsche Art. Er ist kein Phantast, der blind
wütet gegen alles Fremde, der verblendet wäre
von der berauschenden Glorie südlicher Kunst. Er
beurteilt das Gute nicht auf Grund neuester Schlagworte
und hält den Ueberschätzern französischer
Malerei Werke von Blechen, Menzel, Leibi, Böcklin
entgegen. Er erkennt an, daß die französische
Malerei in manchen Punkten malerischer war als
die deutsche, daß aber jene an Kraft und Tiefe
der Anschauung und des zeichnerischen Ausdrucks
der deutschen nicht einmal im Durchschnitt überlegen
ist. — Kann ich dem Verfasser nicht zustimmen
in seiner Herabsetzung des Impressionismus
, in seiner Ueberschätzung des Einflusses
Liebermanns zum Nachteile deutscher Kunst, so
bleibt doch schon das erfreulich, daß Klein-Diepold
einmal auf die zeichnerische Ueberlegenheit
deutscher Kunst hinweist. — Ich wünsche der
fesselnden Schrift, die frei von Kunstjargon und
Weitschweifigkeiten, recht viele Leser. Manch Tüchtigen
wird sie im Weg bestärken. Bredt
HERMANN GEIßEL LAUFENDER LÖWE
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